Das Spiel beginnt – Eine kleine Zeitreise ins Jahr 1983

telematch 1
Bis 1983 als ich mir meine erste eigene Spielkonsole gekauft hatte, war ich nie auf die Idee gekommen mir eine Videospiel-Zeitschrift zu kaufen. Ich lass als VC-20-Besitzer die P.M. und ab und zu mal ein Heft CHIP. Im Oktober 1983 kaufte ich mir also meinen 2600er und musste mich natürlich erst einmal über aktuelle Spiele informieren. Im Zeitschriftenhandel fand ich dazu die Telematch, die es seit Dezember 1982 gab und eine deutsche Schwester der britischen Electronic Games war. Einen Kumpel hat ich mal in der in einer EG geblättert, aber so richtig hatten mich Games für die britischen Computer, über die dort natürlich hauptsächlich berichtet wurde, nicht interessiert. Ohnehin war mein selbst zusammen gebastelter VC-20 nie so ganz funktionsfähig gewesen, so das an spielen auf dem Teil nicht zu denken gewesen war.
Wer mehr über die Geschichte der Telematch erfahren möchte, den kann ich nur diesen Artikel auf videospielgeschichte.de empfehlen!  
Wo ich heute ein wenig kränklich auf dem Sofa zubringen musste und eher fast lustlos durch die Retro Gamer blätterte, juckte es mich plötzlich mal wieder in meiner ersten Videospiel-Zeitschrift zu blättern. Also ab in die Untiefen meines Archives und die Ausgabe Nr. 6 1983 herausgefischt.
Und was wurde so 1983 im Oktober berichtet? Gleich im Editorial wurde von der Berliner Funkaustellung 1983 berichtet und wie enttäuscht man über die wenige Präsenz von Videospiel-Herstellern gewesen ist. Also ich war auch auf dieser Ausstellung gewesen und habe das vielleicht mit anderen Augen gesehen. Überall in den Hallen hatte man auf den Bildschirmen Videospiele gesehen und mein Dad musste mich immer von den Ständen und Joysticks wegreissen, damit wir mal voran kamen. Auf dieser Funkaustellung war ich genau am ersten September-Wochenende gewesen nach dem ich am Montag meine Ausbildung beginnen dürfte. 
Die Telematch-Ausgabe hatte 82 Seiten gehabt. Davon war allerdings mindestens jede zweite Seite Werbeanzeigen und das meist ganzseitig. Das war also schon früher so. Auf der Seite 10 findet man Charts, die aus Leserzuschriften ermittelt wurden. Wie viele Leser daran teilgenommen haben, geht daraus nicht hervor. Unter den Top-10 an Heimvideospielen kommen nur zwei Coleco Spiele vor, der Rest sind Spiele von bzw. für Atari: Zaxxon, immerhin auf Platz Nummer 1, und Smurf, auf Platz 8. Der Rest ließt sich wie das who is who der Atari-2600er-Geschichte, den es sind alles Titel, die man heute noch kennt oder gar noch spielt: River Raid, Vanguard, Phönix, Pitfall!, Donkey Kong (erstaunlicherweise die 2600er Version), Centipede, Frogger und Miner 2049. Bei den Automaten-Charts führte Pole Position vor Donkey Kong und Moon Patrol, mein persönlicher All-Time-Favourite, den ich noch heute unter MAME mindestens einmal die Woche am Rechner, Tablet oder Smarty spiele. Bei den Computerspielen führte Zaxxon (für den TI99) vor Defender (Atari 400/800) und Centipede (Atari 400/800). Erst an vierter Stelle kommt ein VC-20-Spiel: Gorf, das auch das einzige in den Charts ist. Sogar eine Video-Minispiel-Auflistung gab es. Also hiermit waren die LCD-Spiele gemeint, mit der sich Nintendo vor den NES und Gameboy einen Namen in der Spieleindustrie gemacht hatte. So verwundert es auch nicht das sich 6 Nindendo Game&Watch-Spiele in den Charts befinden, die von (na was wohl) Donkey Kong und Donkey Kong Jr. angeführt wurden. Auf Platz 6 war Oil Panic, das einzige LCD-Spiel das ich je besessen habe und das ich gegen einen coolen Taschenrechner von Casio mit drei Minispielen eingetauscht hatte.
In den News auf Seite 11 wurde von der deutschen Centipede-Meisterschaft unter den Funkturm im Rahmen der Funkaustellung berichtet. Ab Seite 12 gab es einen System-Vergleich zwischen 2600er, Coleco Vision, HMG 2650 TVG 2000 (von dem ich bis dahin noch nie was gehört hatte unnd danach auch nie wieder), Intellivision (die einzige und eben erste 16-Bit-Konsole im Feld), G 7000 und Vectrex. Ein Gewinner geht aus den Bericht nicht hervor. Auf Seite 14 folgt ein interessantes Interview mit Rob Fulop, der Spiele wie Night Driver und Demon Attack geschrieben hat. Also eigentlich ein ganz Großer seiner Zeit! Ab Seite 18 wurde über die Filme Krull und Wargames berichtet. Zu Wargames gab es ein Preisrätsel bei dem man das Heyne-Taschenbuch zum Film gewinnen konnte!
Auf Seite 23 dann der erste Spiele Test: Enduro von Activision für die 2600er. Immerhin ein fast ganzseitiger Test. Also zwei von drei Textspalten und mit Topnoten, aber ohne Screenshots. Danach folgen Tests für Arcade-Umsetzungen auf der 2600er Konsole wie Pole Position, das hier eine 100% Bewertung bekommt. Was mit heutigen Bewertungsverständnis wie bei der Gamestar gar nicht mehr möglich ist. Bei der Telematch gab es für Grafik, Sound, Action und Spielwitz praktisch Schulnoten von 1 bis 6, bei dem Pole Position einen glatte 1,0 als Durchschnitt bekam. Und weiterhin keine Screenshots. Ist das eine Spielezeitschrift oder nicht, fragt man sich dann vielleicht. Für die mir unbekannte Konsole HMG 2650 / TVG 2000 wurden drei Spiele getestet, die klingende Namen wie Pleiades, Turtles und The End haben und Pac-Man und Space Invaders Klone waren. Auf Seite 32 werden Imagic-Spiele für die Atari-Konsole getestet, die mir heute auch nichts mehr sagen: No Escape, White Water, Safecracker und Nova Blast. Weiterhin überläst man die Sache mit den Screenshots wohl lieber den Werbeanzeigen, als den Leser etwas im Test zu zeigen. Dann werden drei Spiele für die Intellivision getestet (Thin Ice, ein geniales Geschicklichkeitsspiel um einen Pinguin, das berechtigterweise auch eine 1,0 bekommen hat, Mission X und Buzz Bombers). Dann wurden die eher durchschnittlichen Parker-Spiele für die 2600er Action Force (Ha!) und Sky Skipper getestet. Darauf folgte auf Seite 38 zwei Spiele für die Philips-Konsole G7000 Morse (ja, ja, ich habe den Titel auch zwei Mal lesen müssen) und Supermampfers Rache (Preisfrage: Welches Spiel wurde hier wohl geklont? Ja, ist schwierig, ich weiß!) Anschließend wurden noch ein paar Spiele für die Atari getestet, an die ich mich in den Verkaufsregalen nicht erinnern kann: Ram it!, Springer, Rabbit Transit, Frogger (von Starpath und nicht die bekannte Version von Parker) und Phaser Patrol.
Dann folgt das Monatliche Poster. So was hatten die Magazine früher alle! Und hier war es ein Poster zu dem Pinball-Automaten Gold Ball von Bally Midway. Wie cool ist das denn?!?
Nein, nicht wirklich? Okay…
Darauf folgen ein paar Tests zu Vectrex-Spielen, die Damals kein Schwein in meinen Bekanntenkreis interessiert hatten. Das Ding konnte man ja nicht einmal am Fernseher anschließen und S/W war es auch noch. Wie cool das Teil eigentlich war, hatte ich erst Jahre später kapiert. Aber dies ist eine andere Geschichte..
Auffällig ist hier auf Seite eine große Anzeige eines Shops aus Siershahn (wo immer das auch ist) mit Namen Game-World (Huh!), der mit den Satz warb “Nur erstklassige Originale. Keine Raubkopien aus dunklen Quellen!” (ja, aber, Hallo!). Und “Sofort unsere umfangreiche Überraschungspreisliste anfordern!” Interessant finde ich auch an den meisten Anzeigen das nicht von Spielmodulen oder Cardriges gesprochen wurde, sonder von Cassetten! Also jetzt für die 2600er oder Coleco-Konsole! Hatte sich 1983 wirklich der Terminus Modul noch nicht durchgesetzt gehabt?
Dann folgen noch zwei Tests zu 2600er Spielen einer Firma Xonox mit Namen Ghost Manor und Spike’s Peak. Und plötzlich sogar mit Screenshots! 6 auf einmal!
Und dann auf Seite 48 endlich alle anderen Screenshoots! Und zwar zu allen getesteten Spielen! Nee, doch nicht. Nur zu 25 Spielen. Und nur ein Screenshoot pro Spiel. Naja…
Dann kommen drei Seiten Stratigie-Tips zu Pitfall.
Darauf kommt eine 3-Seitige Einführung zum Thema Heimcomputer. Gefolgt von einem Test zum ZX Spectrum, der zwar weit auf den britischen Inseln verbreitet war, aber hier zu Lande kaum jemand interessiert hatte. Okay, vielleicht ein wenig übertrieben. So ein paar Fans gab es schon.
Dann kamen die unvermeidlichen Listings zum Abschreiben. Ein Spiel Namens Jetfop für den Atari 400/800 von einem Falk Langer (wohl nicht verwandt mit Jörg Langer?) und ein Spiel Namens Gulp. Tja..
Und dann folgt eine kleine, sagen wir mal Übersicht und nicht Testreihe, von Computerspielen für Spektrum und Atari. Auch so mit Namen wie High Noon, Gnasher, Winged Avenger, Gulpman (mooment mal! Gulp…man?!?), Squish’em und Repton.
Dann schnupperte man noch in andere Themen die Videospieler interessieren konnte rein. Ab Seite 66 Neues vom Hexer Synthesizer. Z.B. etwas über Korgs Poly-61 der Damals 2500 DM geksotet hatte. Ein wunderbares polyphones Teil, das ich auch gern gehabt hätte. Dann eine 2-Seitige Kurzgeschichte mit Namen Der Mutant (nein, nix Perry Rhodan und nix X-Men). Anschließend geht es auf Seite 72 zurück zum eigentlich Thema Videospiele mit einen Bericht über die neusten LCD-Spiele. Mit dabei natürlich Nintendo’s Game&Watch-Spiele. Ab Seite 76 gab es einen Überblick von Pinball Automaten von 1983 wie Eight Ball Deluxe und Stern’s fantastischer Tisch Viper, aber eben auch Gottlieb’s Black Hole, der mir nie richtig gefallen hatte, weil da die Kugeln immer so schnell durchrauschten und nie ein richtiges Spiel zu Stande kam. Trotzdem war der Tisch scheinbar so beliebt oder bekannt, das man den Tisch in den virtuellen Sammlungen für die PS2 und 3 wie auch der Wii wieder findet. Und zu letzt auch bei Pinball Arcade für iOS und Android.
Dann folgen ein paar Seiten Kleinanzeigen, bei denen ich teilweise über die Spielepreise gestaunt habe: Speed Rider für Atari 400/800 für 149,-DM! Donkey Kong für 2600er 110,-DM! Ich kann mcih nicht erinnern so viel Geld für Cardriges ausgegeben zu haben. Mein Haupt-Dealer war ein Shop am Tempelhofer Damm in Berlin schräg gegenüber dem Ullsteinhaus gewesen. Ich glaube nicht das ich über 50 EUR für eine Atari-Spiel ausgegeben habe, kann mich aber auch nicht mehr so an die Preis erinnern. 
Witzigerweise habe ich eben eine Anzeige von denen auf der letzten Seite im Heft gefunden. Das 1. Berliner Telespiel-Center! Gehörte wohl zum Tonstudio Tempelhof (was ich bisher nicht wusste), das es zwar recht lange gegeben hatte, aber nun heute auch nicht mehr.
Und mit der Vorschau auf das nächste Heft für den 21.11.1983 endet das Heft auf Seite 82.
Ich könnte jetzt ja sagen “wir hatten ja Damals nix”, aber das stimmt ja nicht. Auch wenn ich hier und da mal an den Heft rumgewitzelt habe, so war es doch eine schöne Quelle gewesen. Die einzige deutschsprachige zu der Zeit zum Thema Videospiele! Ich habe es bedauert das das Mag 1985 eingestellt wurde. 
Wer also bis hier hin gelesen hat (Respekt!) danke ich das er mich auf diese kleine Zeitreise begleitet hat!
Und ich würde mich über ein Feedback freuen ob denn so lange Texte auf kein Halma gewünscht sind und in dieser Form der “Zeitreise” oder eher nicht?  
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