Hossa das wäre geschafft! – Die DEPONIA-Trilogie

Diesen Artikel habe ich schon im letzten Jahr begonnen, um noch vor dem beenden des dritten Teils meine Gedanken dazu nieder zuschreiben. Allerdings trat dann kurz vor dem Beenden des Spiels eine einjährige Pause ein, in der die Little Miss Gamer und ich keine Zeit hatten, zusammen weiter Adventure zu spielen. Erst dieses Jahr im Sommerurlaub hatten wir dazu wieder Zeit gehabt und haben so auch an vier, fünf Abenden das Spiel beendet.
Was für ein Eindruck bleibt erst einmal zurück nach drei Spielen? Erst einmal ein eher enttäuschendes Ende (dazu mehr am Ende des Artikels und mit Spoiler-Alarm) und dann doch eher der Eindruck eigentlich nur ein Spiel gespielt zu haben. Denn die einzelnen Teile sind so lang nicht. Und abgeschlossen sind sie auch nicht. Heutzutage ist ja nun üblich Adventure in mehreren Episoden rauszubringen. Siehe dazu TALES OF MONKEY ISLAND und SAM & MAX. Vielleicht sollte man DEPONIA genauso sehen. Bloß das es hier eben nur 3 Episoden sind. Eben ähnlich wie bei BBCs TV-Serie SHERLOCK.

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Die drei Teile der Serie (DEPONIA, CHAOS AUF DEPONIA und GOOD-BYE DEPONIA) sind 2012 bis 2013 erscheinen und als Boxset im Jahr 2014.
In früheren Zeiten wäre das klassische Point`n`Click-Adventure wahrscheinlich von vornherein als ein Spiel erscheinen. Aber es sind wirtschaftlich unklare Zeiten und deswegen ist die Dreiteilung vielleicht eine gar nicht mal so schlechte Idee gewesen. Wobei die Spiele so schnell hinter einander erschienen sind, das schon der Eindruck entsteht, das alle drei, anders als z.B. die Ankh-Spiele um bei deutschen Spielen zu bleiben, an einem Stück produziert wurden. Ging es vielleicht nur darum den Adventure-Fan mehr Geld aus der Tasche zu ziehen? Ich denke nicht. Im Zeitalter wo andere Spiele in Serie bzw. Episoden erscheinen, kann man auch ruhig mal drei Teile herausbringen. Teuer waren die Spiele auch nicht. Ich habe für jede Special Edition nur 20 Euro ausgegeben. Also insgesamt für ein Spiel 60 Euro ist dann auch nicht so teuer. So ein aktueller Shooter für Xwiistation5 kostet auch nicht weniger.
Außerdem hat man sich mit den Boxen viel Mühe gegeben. Die Spiele selbst stecken zwar in DVD-(Amary)-Boxen, aber die wiederum in kleine Pappboxen mit Klappcover. Alle drei Spiele haben ein schönes Artwork, das je auch als Poster nochmals beiliegt. Außerdem hat man bei allen drei Teilen noch als Extra-CD den Soundtrack mit hinzugelegt, der eine eigene Papphülle a la Plattencover bekommen hat. Kann man also nicht meckern. Zu jedem Spiel gab es auch ein farbiges Handbuch. Etwas was heute auch nicht mehr selbstverständlich ist. Meist liegen heute die Handbücher nur noch als PDF vor, um gleich auf den Download-Markt abzuzielen.

Das Spiel selbst ist im Comicstil gehalten. Also handgezeichnet, aber alles in HD-Grafik gepackt. Hier kommt alles sehr schön rüber. Sowohl Hintergründe als auch die Figuren. Jede Figur ist schön und flüssig animiert und alle Hauptcharaktere habe z.B. auch einen spezifischen Gang. Die Hauptfigur Rufus wird von Monty Arnold gesprochen. Alle anderen Stimmen sind auch gut besetzt, man bekommt nie das Gefühl, das da einer nur vom Zettel abgelesen hätte. Sonst ist das Spiel ein typisches Point`n`Click-Adventure mit eine sich verändernden Curser und ein Inventar das man sich entweder per Mausrad runterscrollt oder klassisch vom oberen Bildrand holt. Hilfen im Sinne von Tipps oder Hotspots gibt es bei dem Spiel nicht (wie z.B. bei der Geheimakte-Serie). Das macht es Adventure-Anfängern vielleicht etwas schwerer. Ab und zu gibt es ein paar Minispiele, die noch im ersten Teil zum Glück recht selten waren, aber die man auch überspringen konnte, wenn sie einen zu nervig sind. Was ich besonders in Teil 3 ein zwei Mal getan habe.

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Die Rätsel sind teilweise sehr komplex und mit viel um-die-Ecke-Denken verbunden. Aber nie unfair. Teilweise wären ein paar kleine Hilfen ganz nett gewesen. Man bekommt zwar ab und zu ein paar Hints durch Bemerkungen der Figuren, die sind dann aber meist so wage, das es schon wieder keine richtigen Hints sind. Gerade beim ersten Spiel hatte ich am Anfang viele Situationen in denen ich gar nicht wusste was ich nun machen sollte. Das war dann ein wenig mühselig und wurde nur von den lustigen Monologen von Rufus und Dialogen mit anderen Figuren aufgewertet, und verleitete einen dann auch wirklich zum weiterspielen. Die einzelnen Spiele sind immer in je drei Kapiteln aufgeteilt.
Im großen und ganzen hatte mir Deponia 1 ganz gut gefallen, aber hatte mich auch oft auf eine Geduldsprobe gestellt, so das ich teilweise mich schon gefragt habe, ob man da auch mal nicht nur an Profispieler gedacht hat. Ich habe ja schon so ein paar Adventure gespielt, aber hier waren die Rätsel teilweise bockschwer und dann wieder superleicht. Vom Balancing her nicht so optimal, weil man nie wusste ob man jetzt mehr so um die Ecke denken muss oder ob es eigentlich was ganz offensichtliches ist. Rufus ist auch so eine Figur, mit der man sich nicht so richtig identifizieren kann. Es sei denn man ist selbst ein totaler Egoman und Egoist. Das hat es mir auch besonders schwer gemacht in das Spiel einzutauchen. Wenn die Hauptfiguren an sich Trottel sind, macht das meistens nicht so viel, wenn es liebenswerte Trottel sind, wie z.B. bei ANKH oder natürlich den Klassiker MONKEY ISLAND. Natürlich wollte man wahrscheinlich mit Rufus einen einmaligen Charakter haben, aber ein wenig auf die Liebenswürdigkeit einer Hauptfigur hätte man schon achten sollen. Die zweite Hauptfigur, Goal, ist im ersten Teil so gut wie die meiste Zeit nicht bei Bewusstsein. So kann man auch nicht als Identifikationsfigur nutzen.

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Teil 2 ist da dann nicht so anders gewesen. Wobei ich da das Gefühl hatte, das man hier das Balancing der Rätsel etwas besser hinbekommen hat. Das erste Kapitel spielte sich so recht flüssig. Erst bei Zweiten stolperten wir ein wenig Ideenlos durch die Gegend und haben dann ein Komplettlösung gebraucht um an zwei Stellen weiter zu kommen. Im Großen und Ganzen hat mir aber Teil 2 “Chaos auf Deponia” besser gefallen als Teil 1. Es gab also ein Steigerung.
Vielleicht lag es nur dran, das man eben die Charaktere schon kannte und man hier eine klare Zielvorgabe bekommen hatte, die im ersten Teil am Anfang ein wenig gefehlt hatte.

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“Good-bye Deponia” fängt dann gleich mit einer Action-Sequence an. Naja, nicht gar so schlimm. Aber das Prinzip erinnert doch sehr an DRAGONS LAIR. Man muss hier immer wieder nur bestimmte Entscheidungen treffen um weiter zukommen. Dieses Intro ist kein Teil des ersten Kapitels, wie danach feststellte, aber erst einmal hatte ich die Befürchtung gehabt, das das nun so weiter gehen würde und das Entwicklerteam den Stil auf so eine Spielart umgestellt hatten. Aber mit dem ersten Kapitel wird es doch wieder zu einem klassischen Grafikadventure. Allerdings hat man hier viel mehr Minispiele, die man auch wieder überspringen kann, eingebaut. Warum nur?
Nachdem man Goal wieder “verloren”, wird man also wieder mit Rufus alleine gelassen. Auch in Teil 3 ist er weiter der Egomane, aber doch ein kleines bisschen liebenswerter. Der letzte Teil gestalltes sich als sehr unübersichtlich. Wir hatten oft das Gefühl nur sinnlos durch die Gegend zu latschen und mehr zufällig auf Dinge zu stoßen, die einen weiterbrachten. Auch hier war wieder das Problem, das es Rätzel gibt die eigentlich total einfach zu lösen waren und andere wieder mit mehrfachen um die Ecke denken gespickt waren. So das einen immer wieder passierte, das man eigentlich einfache Rätzel viel zu kompliziert anpackte, so das man am Ende, wenn man es doch rausbekommen hatte, sich wie ein Trottel vorgekommen ist.
So bleibe ich bei meiner Auswahl, das mir Teil 2 am besten gefallen hat und am meisten Spaß gemacht hat.

Und nun also Spoiler-Alarm!

Ich komme nun zu zwei Themen über die man nicht zu viel wissen sollte, wenn man das Spiel bzw. die Spiele doch mal spielen möchte:
Goal und das Ende des Spiels!

Goal ist schon ein wirklich passender Name. Eigentlich ist sie für Rufus ja am Anfang gar nicht die Loveinterest, sondern nur die Fahrkarte weg von Deponia. Und im ersten Teil haben nwir als Spieler auch nicht die Gelegenheit, sie großartig kennen zu lernen, weil sie eben die meiste Zeit bewusstlos ist. Erst im zweiten Teil nicht das Element dann Fahrt auf. Hier ist dann den Machern des Spiels ein wirklich guter Kunstgriff gelungen um so richtig Emotionen zu schaffen: Goals (vorläufiger) Tod! Das hat uns Beide sehr gepackt. So ergriffen war ich seit EDNA BRICHT AUS nicht mehr gewesen. Das ist wirklich gut gelungen.
Dafür haben sie unserer Meinung nach das Ende versaut. Ja, es gibt mehr Klone von Rufus, als die zwei, die er quasi selbst erschaffen hat. Und, ja, eigentlich überlebt ja so gesehen ein Teil von ihm in dem Klon, der dann übrig bleibt. Aber der eigentliche Rufus, der nun endlich geläutert ist und nun endlich mal liebenswert ist, der muss nun sterben! Hey, in your face, Gamer! Das hat uns Beide nicht gefallen. So was will man am Ende von vielen Stunden Spiel auch eigentlich gar nicht haben. Ja, das hat mir das Spiel neben den manchmal zu schrägen Rätzeln leider vollends versaut. Es gibt Adventure, die ich gerne nochmals gespielt habe, aber DEPONIA lohnt sich da leider für mich nicht. Es ist kein schlechtes Spiel und es hat auch an vielen Stellen Spaß gemacht. Es war, leider selten, spannend, aber es gab viel zu lachen. Aber am Ende zählt doch wie ein Spiel endet. Un das Finale hier ist leider nicht so gelungen. In vielerlei Hinsicht bin ich hier fast genauso enttäuscht wie seiner Zeit vor 25 Jahren bei MONKEY ISLAND 2.

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One thought on “Hossa das wäre geschafft! – Die DEPONIA-Trilogie

  1. Pingback: Und noch mal “Hussa” – Deponia Doomsday (2016) | kein Halma

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