Satellite Reign

So, ich habe mal seit langer Zeit wieder eine hundertprozent uneingeschränkte Empfehlung. Kein “die altbackene Story muss man ein wenig ignorieren” oder “nur für Liebhaber des Genres”. Satellite Reign kann eigentlich nicht keinen Spaß machen.

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“Gefunden” hab ich es vor etwas über zwei Jahren auf Kickstarter. Es war eines der vielen Spielprojekte damals, die im Windschatten der ersten Cowdfunding-Erfolge ein wenig ins Hintertreffen gerieten, weil die Leute vorsichtiger wurden: Von dem Boom von 2012 war ja noch nichts fertig und die ersten Projekte verzögerten sich oder floppten gar schon.

Dennoch habe ich damals mitgemacht, denn Satellite Reign sollte ein Remake des Klassikers Syndicate werden. Ein Spiel, das ich damals geliebt habe. Eine Mischung aus Echtzeitstrategie und Rollenspiel, vom Gameplay vielleicht vage vergleichbar mit dem späteren Commandos oder Jagged Alliance, allerdings mit einem wesentlich höheren strategischen Anteil.

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Dazu kam, dass Optik und Atmosphäre eindeutig Freunde von Blade Runner bedienen. Und solche Spiele waren und sind leider rar gesät. Das Versprechen war daher groß: Man sollte ein Spiel bekommen, das mit modernisiertem Gameplay und aktueller Optik heute genau so viel Spaß machen sollte wie damals Syndicate.

Dafür sprach, dass das Team aus den Leuten bestand, die damals schon Syndicate programmiert haben und sie daher genau wussten, was Syndicate ausmachte. Dagegen sprach, dass es eben dieselben Leute waren und die Gefahr bestand, dass das Spiel zu Retro wird: Ich bin nämlich ein großer Freund der Errungenschaften moderner Spiele wie gute Nutzerführung und ordentliches Balancing (was damals beim Originalspiel beides wirklich alles andere als optimal war).

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Die Befürchtungen haben sich aber nicht bewahrheitet: Die Nutzerführung in Satellite Reign ist zwar gewöhnungsbedürftig weil man dieses Spielsystem doch eher selten spielt, aber am Ende doch leicht zu lernen. Die Missionen und Aufgaben sind zwar extrem schwer, aber nie unfair und dadurch nie frustrierend. Der breite Strategieteil, in dem man Skills, Augmentations, Waffen, Geldbeschaffung und die Verwaltung seiner Klone unter einen Hut bringen muss ist komplex, aber macht auch viel Spaß. Die Schwierigkeit entsteht nämlich weniger aus der Masse oder Kleinteiligkeit von Features sondern aus der hohen Freiheit die man hier bekommt. Das ist man aus moderneren Spielen nicht mehr gewohnt, wo man Missionsabfolgen und Skillbäume starr vorgegeben bekommt und wie auf Schienen durch das Spiel spaziert.

Satellite Reign lässt einem sehr viel Wahlmöglichkeiten, bis dahin, dass man das Spiel wirklich ganz nach den eigenen Vorlieben spielen kann: Man kann von Anfang an sein Team auf Schleichen und Hacken optimieren oder ein schlagkräftiges Einsatzkommando heranzüchten. Oder man mischt alles ein bisschen durch, so dass man sich so weit es geht durchschleichen kann, aber bei Bedarf auch mal austeilt.

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Das ist am Anfang schwierig, weil man noch nicht genau weiß, wie sich das Spiel so im Laufe der Zeit verhält und man auch erst lernen muss, wie viel Risiko man sich leisten kann. Aber man findet schnell heraus, dass man wirklich jede Mission auf jede Weise absolvieren kann und man nicht plötzlich mit seinem Stealth-Squad eine reine Ballermission serviert bekommt und dass sich die Schwierigkeit ganz gut mit seinem eigenen Verhalten anpassen lässt. Z.B. wenn man schneller und risikoreicher spielen will, muss man sich eben mehr Klone besorgen, um Ausfälle sofort wieder auszugleichen. Wie gesagt, das Spiel ist immer fair.

Was ebenfalls erfreulich ist: Die Missionen sind nie zu lang. Das war auch schon ein großes Plus beim alten Syndicate und ich als jemand, der kaum mal Zeit hat, sehr lange am Stück zu spielen, bin immer froh, wenn Spiele darauf achten, dass Missionen nicht ewig dauern.

Daher kann ich es auch – wie zu Beginn schon gesagt – uneingeschränkt empfehlen. Es ist durch die offene Spielwelt und -mechanik nur genau so schwer, wie man es haben will, es hat eine tolle Atmosphäre und es bietet genau die richtige Mischung aus Retro- und modernem Spieldesign. Es ist als Solo-Spiel inzwischen vollständig, läuft flüssig und sauber auf jedem mittleren Rechner und wird aber noch immer weiterentwickelt. Man möchte auch noch einen Coop und Multiplayermodus nachliefern. Nicht dass ich den brauche, aber wer weiß, vielleicht macht auch das Spaß, wenns dann mal da ist…

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5 thoughts on “Satellite Reign

  1. Also klingt ja schon interessant und sieht auch gut aus. Nur schade (für mich) das dies nun so gar nicht mein Genre ist. 🙂

  2. Meins ja auch nicht, das Genre gibt es ja seit fast 20 Jahren nicht mehr.

  3. Oh Du spielst das auch. Ich kämpfe mich da durch. Es ist so verdammt schwer aber ich habe die alte Syndicate Melodie dabei im Ohr 🙂
    Tolle Atmosphäre und ja mein Genre ist das noch immer und wird es wohl auch bleiben.

  4. Ja, und wie gesagt ist es nicht unfair und dadurch ist man spätestens beim dritten Anlauf mit einer Mission durch oder man macht erst was anderes und geht es besser ausgerüstet noch mal an. Und wenn man mal total hängt lässt man das Spiel einfach ne Weile laufen und lässt die Kohle reintröpfeln, dann kann man sich ein paar Upgrades auf dem Schwarzmarkt kaufen und bekommt so den Schwierigkeitsgrad gesenkt.

  5. Pingback: Jens’Gaming Review 2016 | kein Halma

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