Wooly thoughts on gaming

Zum Jahresende fragt man sich als Gamer immer, habe ich mehr oder weniger dies Jahr gespielt? So wo ich jetzt im 5. Jahrzehnt angekommen bin, stelle ich schon in meinem Umfeld fest, das Leute in meinem Alter weniger bis gar keine Videogames mehr spielen. Neue Konsolen und Computer werden schon noch angeschafft, werden dann zum spielen aber oft eher von den eigenen Kindern benutzt oder für alles Andere, aber nicht mehr zum spielen. Ein häufiges Argument ist, das moderne Spiele viel zu komplex zu erlernen und zu zeitaufwendig zu spielen sind. Dafür hat man doch schließlich die Zeit nicht mehr. Das mag sein. Also warum dann nicht die alten Spiele spielen. Die hat man schon und da muss man nichts mehr erlernen?! So etwas nennt man dann seit einigen Jahren eben auch Retrogaming. Außerdem gibt es da noch die Casual Games. Die gab es schon früher (Solitair, Shanghai usw.) und von jenen gibt es heute noch viel mehr. Dafür muss man nicht einmal eine Konsole oder einen Computer benutzen. Das findet man alles im App-Store des Smartphones. Aber ich schweife ab..

Es ist ja so, das ich dafür durchaus Verständnis habe. Ja, ich spiele auch nicht mehr so viel wie in meinen Teen- und Twensjahren. Allerdings glaube ich das ich nun nicht viel weniger spiele als in meinen Thirties oder, ja nun gerade erst beendeten, Fourties. Aber mir geht es mit der Komplexität bei Videospielen teilweise auch so, wie jene Vertreter, die ich weiter oben erwähnt habe. Manche Spiele sind mir zu Komplex. Zu Aufwendig. Es ist nicht nur so, das ich einige Spiele in FP-Perspektive nicht mehr spielen kann, weil ich zu nehmend mehr mit der Motion/Gaming Sickness zu tun habe. Das hat nichts mit den neuen Spielen zu tun. Das geht mir auch so bei 3D-Klassikern wie DESCENT, DOOM und QUAKE so. Ja, manches ist heute recht Komplex. Aber so ist die Entwicklung bei Spielen schon immer gewesen. Vergleicht man PONG (Ende 70ziger) mit DONKEY KONG (Anfang 80ziger) ist hier schon ein großer Komplexitätssprung drin. In Steuerung und Inhalt. Vergleicht man wiederum DONKEY KONG mit SUPER MARIO WORLD, liegen dazwischen auch wieder Welten. Irgendwann steigt man als Spieler dann aus. Nicht weil man unbedingt zu alt für den “Scheiß” wird, sondern weil man eben nicht mehr so mitkommt. So hört man dann vielleicht ganz auf mit dem Spielen. Oder wird zum Casual Gamer und/oder Retrogamer. Neue Spiele gibt es dann für die letztere Rubrik schließlich auch dann weiter. Einmal kommen immer mehr “Retrostyle”-Videospiele raus, denn dafür gibt es schließlich mittlerweile mit den 40- und 50-somethings eine große Käuferschicht. Außerdem gibt es noch eine Unmenge von alten Spielen, die man noch gar nicht kennt. Selbst wenn man früher jede freie Minute vor einem elektronischen Spielgerät gesessen und gespielt hat, so konnte man doch Damals gar nicht alle Spiele die es so gab gespielt haben. Also warte da dann Massen an alten neuen Spiele auf den vermeintlichen Retrogamer!

Ich stelle allerdings in diversen Communitys fest, das viele aktive Retrogamer wie bei YouTube usw. eher 30-somethings sind oder gerade mal Anfang 40 sind. Ist diese Generation hartnäckiger? Vielleicht liegt es einfach daran, das diese Leute in den 80zigern aufgewachsen sind. Mit Atari 2600er und kurz darauf NESes im Kinderzimmer. Sie sind mit C64 und Amiga/Atari ST aufgewachsen. Videospiele gehörten schon seit der Kindheit zum Selbstverständlichen. Die Generation geht damit vielleicht anders um?! Wir Kinder der 70ziger haben den Anfang der elektronischen Spielzeuge mitbekommen. Videospiele für zu Hause bedeuteten 20 Variationen von PONG. Ein Atari VCS hatten die meisten erst 1981/82 überhaupt zu Gesicht bekommen. So auch ich! Computer waren Geräte, die man selbst zusammen löten und bauen musste. Sie hatten 16K Arbeitsspeicher und nicht 16 GB! In mein Umfeld sind erste VC16/20 auch erst 1981/82 aufgetaucht. Mein erster Computer war unheimlich teuer, aber natürlich ein Gebrauchter! Viele meiner Generation, also die Kinder der 70ziger, haben sich erst gar nicht mit dem Spielkram abgegeben. Alles Quatsch! Videospiele sind für Kinder und Computer für die Arbeit. Aus! 1984 war es leichter in einer Kneipe an den DONKEY KONG-Automaten ranzukommen, als am Billiardtisch. Der Tisch war immer von “coolen” Teenagern besetzt gewesen. Die Looser konnten ihre bunten Kinderspiele am Bildschirm machen. Deswegen denke ich, das heute 30 bis Anfang 40zigjährige in Deutschland ein ganz anderes Verhältnis zu Videospielen haben, als Ende 40ziger bis 50zigjährige und darüber hinaus.

Heute sind Video- und Computerspiele sehr viel “gesellschaftsfähiger”. Heute spielt so weit jeder oder akzeptiert Spieler wie jedes andere Hobby. Das war früher in meiner Kindheit und Jugend beileibe nicht so! Was mal wieder zeigt: Früher war nicht alles besser! Gerade wenn es um mein Lieblingshobby geht, dann spiele ich zwar am liebsten alte Spiele, das ist schon war, aber ich möchte um keinen Preis wieder zurück in die 70ziger und 80ziger. Spieletechnisch ist die Gegenwart die beste Zeit. Retrospiele geben einen die warme Decke und Geborgenheit des “Damals”, das geht mehr auch so, aber wenn man mal wirklich darüber nachdenkt, wie es früher mit Spielen war, dann war da wenig besser als heute. Spiele waren viel teurer als heute. Klar, wenn man 1 zu 1 umrechnet, dann sind die Spiele heute teurer. Aber dafür gab es früher nicht so einen großen Markt für Budget-Spiele. Ganz am Anfang gab es das gar nicht. Ein Spiel kam, wenn überhaupt, ins Kaufhaus. Da konnte man es für teures Geld kaufen. Und dann verschwand es wieder und wurde gegen neue teuere Spiele ausgetauscht. Auf dem Grabbeltisch landete da erst wenig. Gebrauchte Spiele bekam man hier und da auf dem Flohmärkten. Aber da meist auch nicht viel. Spieleversand gab es erst ab Ende der 80ziger richtig. Ja, richtig, eine Zeit lang konnte man sich Videospiele in Videotheken ausleihen. Ich selbst habe Mitte der 80ziger 2600er-Spiele geliehen. Das hielt aber nicht lange in Deutschland an. In anderen Ländern war so etwas länger erlaubt gewesen. Es gab Damals eben auch kein Internet!

Und dann Vergleiche man bitte mal Computerspiele von heute und Damals! Ein Spiel zu installieren ist heute kein Problem mehr. Neue sowieso und auch alte Spiele. Irgend jemand im Netz hat für jedes Spiel einen Fanpatch für moderne Computer und Betriebsysteme gebastelt. Irgend einen Emulator zur Not findet man immer im Netz. Das Spiel läuft nicht oder ist schwer zu installieren, gibt es so gut wie gar nicht mehr. Man muss keine Startdiskette für den DOS-Rechner mehr basteln, um das so eben erworbene Spiel überhaupt starten zu können! Keine Bastelei mit Autoexec.bat und/oder config.sys mehr. Das ist alles so leicht und unkompliziert geworden. Das möchte ich nicht missen und will da auf keinen Fall wieder zurück! Retrogaming hat nichts damit zu tun, das man denkt, das früher alles besser war. Das Heute ist viel besser und zu mindestens in diesen Fall: Viel unkomplizierter!

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