Black Mirror (2017)

BLACK MIRROR gehört vielleicht nicht gerade zu meinen Lieblingsserien in Sachen Adventure, aber das erste hatte mir schon ganz gut gefallen und ich hatte es immerhin zweimal durchgespielt, weil ich mit der Little Miss Fangirl Teil zwei und drei spielen wollte. Schließlich sollte man bei einer Fortsetzung den Vorgänger kennen. Ja, und die zwei Letzten waren nun nicht die Burner, aber spielbar. Wenn der Protagonist von beiden Teilen zwar anfangs extrem nervig und unsympathisch war, so waren die Rätsel doch ganz nett gewesen. Die Steuerung, weil klassisch Point’n’Click, war in meiner Erinnerung auch okay. Und das ist bei einem Grafikadventure ja schon die halbe Miete. Nun war die Trilogie (denn heute muss ja immer gleich alles eine Trilogie sein, wenn es mal eine Fortsetzung gibt) abgeschlossen. Und was sollte man über die Gordons denn noch groß erzählen (ohne das es völlig lächerlich werden würde)? Aber King Art hatte da doch noch was dazu zu erzählen. Und so erschien im November 2017 für Windows, Mac, Linux, PS4 und Xbox One BLACK MIRROR. King Arts ist ein deutscher Entwickler, der besonders für seine drei THE BOOK OF UNWRITTEN TALES – Spiele bekannt ist. Von dem ja zwischen Teil ein und zwei nur ein Spin Off erschienen ist, aber im Endeffekt kein wirklicher Teil drei. Teil zwei endet mit einem fiesen Cliffhanger. Die beiden Hauptspiele waren wirklich nicht schlecht und es ist schade, dass es keinen Abschluss gab. Aber scheinbar waren die Spiele nicht erfolgreich genug. Teil zwei gibt es witzigerweise auch für die Switch und ist da auch aktuell im eShop immer noch zu haben. Man sollte potenzielle Käufer davor warnen. Es sei denn, man gehört ohne hin zu den SpielerInnen, die nie ein Spiel zu Ende spielen.

Zudem haben King Arts dann an Stelle von TBOUT 3 BLACK MIRROR 2 2009 herausgebracht. Naja, okay, nicht stattdessen, denn BM2 erschien im selben Jahr wie der erste Teil von TBOUT. Zwischendurch haben sie noch THE RAVEN: LAGACY OF A MASTERTHIEF gemacht, dass ein Point’n’Click im Stil von Agatha Christie Stories gehalten sein soll. Habe ich auf der Liste, aber noch nicht gespielt. Nun also haben sie nun nicht nur Erfahrung in Grafikadventure mit Point’n’ Click, sondern auch bei BLACK MIRROR. Sie haben übrigens den Teil gemacht, bei dem die Hauptfigur so unsympathisch war, dass man als Spieler nicht unglücklich war, wenn die Figur umgekommen wäre. Aber er kehrte in dritten Teil von Cranberry Production (MATA HARI, GRAY MATTER) zurück und war da dann doch ein wenig als Bezugsperson angelegt worden. Also King Arts saugten sich eine “neue” Story für BM aus den Fingern und waren eben so gierig, dass das Spiel als Fokus nicht die Computerplattformen hatte, sondern auf die zu der Zeit aktuelle Spielkonsolen. Und so ist eine Steuerung entstanden, die ihresgleichen sucht. Aber dazu komme ich etwas weiter unten.

BLACK MIRROR heißt übrigens nur so ohne Nummerierung oder Zusatz bzw. Untertitel. Es ist auch nicht wirklich eine Fortsetzung oder ein Reboot. Naja, vielleicht doch Zweiteres. Jedenfalls scheint es kein Prequel zu sein, was ja sonst immer gemacht wird, wenn man unbedingt eine Fortsetzung machen will, aber die letzte Folge einen richtigen Abschluss hatte, nachdem es eigentlich nicht wirklich weitergehen konnte. Man entdeckte für sich einen anderen Zweig der Familie Gordon und versetzte diese in den Highlands nach Schottland. Und weil es 1926 spielt und nicht in der Gegenwart, wie BM3, könnte es vielleicht doch eine Prequel sein. Soll es aber nicht. Ich kann es nicht beurteilen, denn so weit war ich gar nicht gekommen. Der Vater eines anderen Gordons ist gerade gestorben, das uns im Vorspann des Spiels zwar gezeigt wird, aber mit einem “what-da-fuck-is-here-happening-Effect”, bei dem man nicht weiß was los ist und auch nichts erklärt bekommt, außer die Steuerung so nebenbei. Und so kommt man in der Rolle des Sohns David Gordon zurück ins düstere Elternhaus, das einen gälischen Namen hat und das ins Englische übersetzt, Überraschung, Black Mirror heißt. Was natürlich schon in den ersten drei Spielen ein dämlicher Name für ein Haus und Anwesen war, aber naja… Also erst einmal das Übliche. Düsteres Haus und dunkles Geheimnis und so. Nach dem Teaser-Intro bekommt man doch ein paar kleine Informationen und noch etwas über die Steuerung beigebracht. Und die Steuerung ist ein Katastrophe biblischen Ausmaßes! Hat denn da keiner mal versucht das Spiel zu spielen? Gab es keine Betatests? Oder hat man da nur auf Playstation und Xbox gespielt und dann blindlings auf Windows konvertiert? Es gibt keine Maussteuerung. Das konnte man Ende der 90ziger und in den 2000ern machen. Aber dann hatten eigentlich alle Entwickler gemerkt, dass das für ein Grafikadventure, das Spaß machen soll, keine gute Idee ist. Also Spielen aus den 2000ern kann man das verzeihen, aber nicht einem Spiel aus 2017! What do they thinking?!? Und dabei ist es nicht einmal eine gute Steuerung mit Tastatur und Maus bzw. Gamepad! Nein, es ist auch noch so richtig schlecht technisch umgesetzt. Bei SIBERIA 3 hatte man ja auch nur an Konsolenspieler gedacht und dann in der Windows-Version auch nur an jene Spieler, die einen XBox360-Controller hatten, denn der XBox One – Controller funktionierte nicht. Da war die Steuerung via Tastatur zwar ärgerlich, aber spielbar. Bei BM2017 geht das gar nicht. Einmal funktioniert bei meinem Rechner kein XBox360-, kein XBox One (erste Generation) und kein Xbox One – Controller der letzten Generation. Meine 8bitdo-Controller werden vom Spiel auch nicht erkannt. Vielleicht funzen ja nur die ganz neuen MS Controller für die X- und S-Serie? Ich weiß es nicht und habe es auch an keinem anderen Rechner ausprobiert. Wenn es am Spielerechner nicht funzt, nutzt mir das auch nix am Surface oder Laptop. Also Tastatur und Maus. Aber natürlich keine klassische FPS-Steuerung. Nix WASD und Maus! Man steuert mit den Pfeiltasten und muss mit der Maus die Sichteinstellung korrigieren (was offiziell Kamerasteuerung genannt wird, aber wohl eher als ganz jährlichen April-Scherz zu verstehen ist). Um Aktionen auszuführen, muss man in die Nähe des Objekts kommen und dann via Zahlentasten die Aktion auslösen. Meist mit der 1, aber auch gerne mal mit einer anderen Zahlentaste. Wer hat sich denn bitte das ausgedacht? Die schlimmste Steuerung, die ich jemals erlebt habe, kann ich nur sagen.

Gerade für Menschen mit Motion/ bzw. Gaming Sickness ist die “Sichtsteuerung” mit der Maus kaum ertragbar. Man bewegt sich schon mit dem Protagonisten via Pfeiltasten und dann muss man mit der Maus noch die Sicht hinterher schwenken, damit man auch sieht, wohin man eigentlich geht. Schon alleine deswegen habe ich das Spiel nach einer Stunde Spielzeit abgebrochen. Wer keine Probleme mit Gaming Sickness hat, wird aber mit dem Spiel eher auch kein Spaß haben. Eigentlich ist die Grafik ganz nett, aber eben nicht mehr so ganz auf der Höhe der Zeit. Wobei da Graficadventure in den letzten 20 Jahren ohnehin immer etwas stiefmütterlich behandelt wurden. Da sind meine Erwartungen also immer wieder gar nicht so hoch. Die Umgebung ist hier wirklich sehr stimmungsvoll und detailreich gestaltet worden. Die Figuren eigentlich auch. Sie dürfen sich nur nicht bewegen. Denn die Bewegungen sind hölzerner als bei der Augsburger Puppenkiste. Es gibt bei den Gesprächen Nahaufnahmen, die man sich hätte lieber sparen können. Die Gesichter haben überhaupt keinen Ausdruck und zeigen keine Emotionen wie Schaufensterpuppen. Das steht dann zum besonders krassen Gegensatz zu den professionellen Sprechern, die hier einen guten Job gemacht haben. In David Gordons Stimme meine ich David Nathan wiedererkannt zu haben, der im ersten Teil auch schon die Hauptfigur Sam Gordon gesprochen hatte. Bei Teil 2 und 3 hatte Tim Knauer den Protagonisten gesprochen, den ich zumindest als Sprecher von Charlie Cox in Daredevil kenne. David Nathan kennt man natürlich besonders für seine Syncro von Johnny Depp, aber auch als Sprecher von Batman/ Bruce Wayne in den BATMAN ARKHAM – Spielen.

Die Rechte an Black Mirror hatte der schwedische Publisher Nordic Games vom insolventen deutschen Publisher DTP Entertainment übernommen. Die Idee für ein weiteres BM-Spiel hatten wohl dann also nicht King Art. Leider ist das Spiel völlig verhunzt worden und ich hoffe, dass wir mit weiteren Graficadventure dieser Machart verschont bleiben. Fast bewundere ich Leute, die das Spiel wirklich durchgespielt haben. Aber es gibt tatsächlich einige Komplettlösungen, Workthrough- und Let’s-Play-Videos dazu. Ich kann das Spiel auf gar keinen Fall empfehlen. Ganz im Gegenteil: Ich kann nur vor dem Spiel warnen. Man muss schon dafür bezahlt werden oder masochistisch veranlagt sein, wenn man das Spiel durchspielt. Selbst die 7 Euro, die ich für das Spiel ausgegeben habe, sind schon zu viel.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d bloggers like this: