Black Mirror (2017)

BLACK MIRROR gehört vielleicht nicht gerade zu meinen Lieblingsserien in Sachen Adventure, aber das erste hatte mir schon ganz gut gefallen und ich hatte es immerhin zweimal durchgespielt, weil ich mit der Little Miss Fangirl Teil zwei und drei spielen wollte. Schließlich sollte man bei einer Fortsetzung den Vorgänger kennen. Ja, und die zwei Letzten waren nun nicht die Burner, aber spielbar. Wenn der Protagonist von beiden Teilen zwar anfangs extrem nervig und unsympathisch war, so waren die Rätsel doch ganz nett gewesen. Die Steuerung, weil klassisch Point’n’Click, war in meiner Erinnerung auch okay. Und das ist bei einem Grafikadventure ja schon die halbe Miete. Nun war die Trilogie (denn heute muss ja immer gleich alles eine Trilogie sein, wenn es mal eine Fortsetzung gibt) abgeschlossen. Und was sollte man über die Gordons denn noch groß erzählen (ohne das es völlig lächerlich werden würde)? Aber King Art hatte da doch noch was dazu zu erzählen. Und so erschien im November 2017 für Windows, Mac, Linux, PS4 und Xbox One BLACK MIRROR. King Arts ist ein deutscher Entwickler, der besonders für seine drei THE BOOK OF UNWRITTEN TALES – Spiele bekannt ist. Von dem ja zwischen Teil ein und zwei nur ein Spin Off erschienen ist, aber im Endeffekt kein wirklicher Teil drei. Teil zwei endet mit einem fiesen Cliffhanger. Die beiden Hauptspiele waren wirklich nicht schlecht und es ist schade, dass es keinen Abschluss gab. Aber scheinbar waren die Spiele nicht erfolgreich genug. Teil zwei gibt es witzigerweise auch für die Switch und ist da auch aktuell im eShop immer noch zu haben. Man sollte potenzielle Käufer davor warnen. Es sei denn, man gehört ohne hin zu den SpielerInnen, die nie ein Spiel zu Ende spielen.

Zudem haben King Arts dann an Stelle von TBOUT 3 BLACK MIRROR 2 2009 herausgebracht. Naja, okay, nicht stattdessen, denn BM2 erschien im selben Jahr wie der erste Teil von TBOUT. Zwischendurch haben sie noch THE RAVEN: LAGACY OF A MASTERTHIEF gemacht, dass ein Point’n’Click im Stil von Agatha Christie Stories gehalten sein soll. Habe ich auf der Liste, aber noch nicht gespielt. Nun also haben sie nun nicht nur Erfahrung in Grafikadventure mit Point’n’ Click, sondern auch bei BLACK MIRROR. Sie haben übrigens den Teil gemacht, bei dem die Hauptfigur so unsympathisch war, dass man als Spieler nicht unglücklich war, wenn die Figur umgekommen wäre. Aber er kehrte in dritten Teil von Cranberry Production (MATA HARI, GRAY MATTER) zurück und war da dann doch ein wenig als Bezugsperson angelegt worden. Also King Arts saugten sich eine “neue” Story für BM aus den Fingern und waren eben so gierig, dass das Spiel als Fokus nicht die Computerplattformen hatte, sondern auf die zu der Zeit aktuelle Spielkonsolen. Und so ist eine Steuerung entstanden, die ihresgleichen sucht. Aber dazu komme ich etwas weiter unten.

BLACK MIRROR heißt übrigens nur so ohne Nummerierung oder Zusatz bzw. Untertitel. Es ist auch nicht wirklich eine Fortsetzung oder ein Reboot. Naja, vielleicht doch Zweiteres. Jedenfalls scheint es kein Prequel zu sein, was ja sonst immer gemacht wird, wenn man unbedingt eine Fortsetzung machen will, aber die letzte Folge einen richtigen Abschluss hatte, nachdem es eigentlich nicht wirklich weitergehen konnte. Man entdeckte für sich einen anderen Zweig der Familie Gordon und versetzte diese in den Highlands nach Schottland. Und weil es 1926 spielt und nicht in der Gegenwart, wie BM3, könnte es vielleicht doch eine Prequel sein. Soll es aber nicht. Ich kann es nicht beurteilen, denn so weit war ich gar nicht gekommen. Der Vater eines anderen Gordons ist gerade gestorben, das uns im Vorspann des Spiels zwar gezeigt wird, aber mit einem “what-da-fuck-is-here-happening-Effect”, bei dem man nicht weiß was los ist und auch nichts erklärt bekommt, außer die Steuerung so nebenbei. Und so kommt man in der Rolle des Sohns David Gordon zurück ins düstere Elternhaus, das einen gälischen Namen hat und das ins Englische übersetzt, Überraschung, Black Mirror heißt. Was natürlich schon in den ersten drei Spielen ein dämlicher Name für ein Haus und Anwesen war, aber naja… Also erst einmal das Übliche. Düsteres Haus und dunkles Geheimnis und so. Nach dem Teaser-Intro bekommt man doch ein paar kleine Informationen und noch etwas über die Steuerung beigebracht. Und die Steuerung ist ein Katastrophe biblischen Ausmaßes! Hat denn da keiner mal versucht das Spiel zu spielen? Gab es keine Betatests? Oder hat man da nur auf Playstation und Xbox gespielt und dann blindlings auf Windows konvertiert? Es gibt keine Maussteuerung. Das konnte man Ende der 90ziger und in den 2000ern machen. Aber dann hatten eigentlich alle Entwickler gemerkt, dass das für ein Grafikadventure, das Spaß machen soll, keine gute Idee ist. Also Spielen aus den 2000ern kann man das verzeihen, aber nicht einem Spiel aus 2017! What do they thinking?!? Und dabei ist es nicht einmal eine gute Steuerung mit Tastatur und Maus bzw. Gamepad! Nein, es ist auch noch so richtig schlecht technisch umgesetzt. Bei SIBERIA 3 hatte man ja auch nur an Konsolenspieler gedacht und dann in der Windows-Version auch nur an jene Spieler, die einen XBox360-Controller hatten, denn der XBox One – Controller funktionierte nicht. Da war die Steuerung via Tastatur zwar ärgerlich, aber spielbar. Bei BM2017 geht das gar nicht. Einmal funktioniert bei meinem Rechner kein XBox360-, kein XBox One (erste Generation) und kein Xbox One – Controller der letzten Generation. Meine 8bitdo-Controller werden vom Spiel auch nicht erkannt. Vielleicht funzen ja nur die ganz neuen MS Controller für die X- und S-Serie? Ich weiß es nicht und habe es auch an keinem anderen Rechner ausprobiert. Wenn es am Spielerechner nicht funzt, nutzt mir das auch nix am Surface oder Laptop. Also Tastatur und Maus. Aber natürlich keine klassische FPS-Steuerung. Nix WASD und Maus! Man steuert mit den Pfeiltasten und muss mit der Maus die Sichteinstellung korrigieren (was offiziell Kamerasteuerung genannt wird, aber wohl eher als ganz jährlichen April-Scherz zu verstehen ist). Um Aktionen auszuführen, muss man in die Nähe des Objekts kommen und dann via Zahlentasten die Aktion auslösen. Meist mit der 1, aber auch gerne mal mit einer anderen Zahlentaste. Wer hat sich denn bitte das ausgedacht? Die schlimmste Steuerung, die ich jemals erlebt habe, kann ich nur sagen.

Gerade für Menschen mit Motion/ bzw. Gaming Sickness ist die “Sichtsteuerung” mit der Maus kaum ertragbar. Man bewegt sich schon mit dem Protagonisten via Pfeiltasten und dann muss man mit der Maus noch die Sicht hinterher schwenken, damit man auch sieht, wohin man eigentlich geht. Schon alleine deswegen habe ich das Spiel nach einer Stunde Spielzeit abgebrochen. Wer keine Probleme mit Gaming Sickness hat, wird aber mit dem Spiel eher auch kein Spaß haben. Eigentlich ist die Grafik ganz nett, aber eben nicht mehr so ganz auf der Höhe der Zeit. Wobei da Graficadventure in den letzten 20 Jahren ohnehin immer etwas stiefmütterlich behandelt wurden. Da sind meine Erwartungen also immer wieder gar nicht so hoch. Die Umgebung ist hier wirklich sehr stimmungsvoll und detailreich gestaltet worden. Die Figuren eigentlich auch. Sie dürfen sich nur nicht bewegen. Denn die Bewegungen sind hölzerner als bei der Augsburger Puppenkiste. Es gibt bei den Gesprächen Nahaufnahmen, die man sich hätte lieber sparen können. Die Gesichter haben überhaupt keinen Ausdruck und zeigen keine Emotionen wie Schaufensterpuppen. Das steht dann zum besonders krassen Gegensatz zu den professionellen Sprechern, die hier einen guten Job gemacht haben. In David Gordons Stimme meine ich David Nathan wiedererkannt zu haben, der im ersten Teil auch schon die Hauptfigur Sam Gordon gesprochen hatte. Bei Teil 2 und 3 hatte Tim Knauer den Protagonisten gesprochen, den ich zumindest als Sprecher von Charlie Cox in Daredevil kenne. David Nathan kennt man natürlich besonders für seine Syncro von Johnny Depp, aber auch als Sprecher von Batman/ Bruce Wayne in den BATMAN ARKHAM – Spielen.

Die Rechte an Black Mirror hatte der schwedische Publisher Nordic Games vom insolventen deutschen Publisher DTP Entertainment übernommen. Die Idee für ein weiteres BM-Spiel hatten wohl dann also nicht King Art. Leider ist das Spiel völlig verhunzt worden und ich hoffe, dass wir mit weiteren Graficadventure dieser Machart verschont bleiben. Fast bewundere ich Leute, die das Spiel wirklich durchgespielt haben. Aber es gibt tatsächlich einige Komplettlösungen, Workthrough- und Let’s-Play-Videos dazu. Ich kann das Spiel auf gar keinen Fall empfehlen. Ganz im Gegenteil: Ich kann nur vor dem Spiel warnen. Man muss schon dafür bezahlt werden oder masochistisch veranlagt sein, wenn man das Spiel durchspielt. Selbst die 7 Euro, die ich für das Spiel ausgegeben habe, sind schon zu viel.

Black Mirror III (2011)

BLACK MIRROR II hatte zwar nicht ein direkten Cliffhanger, aber es waren natürlich noch viele Fragen offen und das Finale legte auch eine Fortsetzung nahe. Zudem muss ja heutzutage alles immer gleich eine Trilogie werden, wenn es schon eine Forstsetzung gibt. Ich denke, das war ganz offensichtlich bei der Entwicklung der vom zweiten Teil so geplant gewesen. So ist Teil drei zwei Jahre nach den Zweiten erschienen. So weit ich beurteilen kann mit demselben Team entwickelt und auch dieselbe Grafikengine wurde verwendet. Die Spielgrafik ist auch soweit ganz gut und den 2010er Jahren entsprechend. Die Videosequenzen sind da eher so “naja” wie schon beim Vorgänger. Zudem hatte ich das Gefühl, dass es hier noch “weitere” Totaleinstellungen benutzt wurden, als schon im zweiten Teil. Der Vorteil davon ist, dass ein Raum dann auf einem Bildschirm übersichtlich zu sehen ist und man sich nicht schwindlig scrollt, der Nachteil ist, wenn man ein großes Umfeld hat, wie riesige unterirdische Katakomben, dann werden nicht nur die Figuren auf dem Bildschirm sehr klein, sondern auch alle Items die man entdecken muss. Gerade bei den düsteren Grafiken findet man diese visuell selbst auf einen 28″Monitor kaum. Okay, es gibt die Hotspot-Funktion wieder, aber die braucht man wegen diesem Umstand auch sehr häufig.

Hotspots kann man sich also via Space-Taste wieder anzeigen lassen, dafür fehlen die Tipps nun in den Tagebucheintragungen von Darren. Warum auch immer. Es gibt ein paar wenige neue Charaktere, sonst hat man es mit den Personen aus Teil 2 zu tun. Anfangs hat man auch wieder nur die gleichen Locations minus denen in den USA, bloß das das Schloss nun nach dem Brand arg beschädigt ist. Darren mag zwar im zweiten Teil mit dem Leben davon gekommen zu sein, aber nun denkt die Polizei, dass er das Schloss angezündet hätte. Also geht es mal wieder darum seine Unschuld zu beweisen und nebenbei den Fluch der Gordons loszuwerden. Das spielt sich ganz okay, wie im zweiten Teil. Es gibt wieder 6 Kapitel. Die ersten 5 Kapitel laufen nach Schema “F” der Black-Mirror-Spiele ab, das 6 Kapitel ist da in zweierlei Hinsicht etwas anders. Aber dazu komme ich weiter unten im Spoiler-Part. Wenn einen die ersten beiden gefallen haben, dann wird man mit Teil drei nicht wirklich enttäuscht. Auch heute kann sich das Spiel noch so weit sehen lassen und die Rätsel sind okay und unterhaltsam. Man muss nur weiter mit einer mürrischen und klugscheissernden Hauptfigur zurechtkommen. Aber das ist scheinbar das Rezept der Reihe. Es gibt seit 2017 einen vierten Teil von einem anderen Entwickler, der einfach nur BLACK MIRROR heißt. Es ist aber wohl keine Fortsetzung. Die Geschichte spielt vor rund 100 Jahren und es betrifft wohl einen anderen Zweig der Gordon-Familie. Kritiken hatte jenes Spiel hauptsächlich wegen seiner mangelhaften technischen Umsetzung und das einige das Spiel wegen einem Bug nicht beenden konnten. Ob jener beseitigt wurde oder nicht, konnte ich nicht herausfinden. Jedenfalls sollte es ein Reboot der Serie werden und die scheint nun gleich mit Teil 1 der neuen Trilogie beendet zu sein.

Nun also SPOILER! Was ist also anders am sechsten Kapitel? Die ersten Fünf steuert man Darren bzw. nun also Adrian (Gordon). Das er der Sohn von Samuel Gordon ist, sollte einen nach dem Ende vom zweiten Teil klar gewesen sein. Nett wäre hier ein Twist gewesen, dass er im dritten Teil herausbekommt, dass er ein weiteres Mal angelogen wurde und nun doch nicht der Sohn von Samuel ist. Aber die Chance hat man hier verstreichen lassen. Deswegen gibt es in den ersten 5 Kapiteln keine Überraschungen. Im fünften Kapitel bekommt man dann heraus, das die Pflegerin von Adrians Urgroßmutter Victoria gar keine einfache Pflegerin ist, sondern eine “Agentin” des Vatikans. Am Ende des fünften Kapitels wird an Adrian ein Exorzismus durch geführt, nachdem Adrian im Tiefschlaf liegt und der Pfarrer der Gemeinde, der den Exorzismus durchführen wollte, tot ist. So steuert man im sechsten Kapitel also die Pflegerin bzw. die “Agentin” des Vatikans. Nach ein paar kleinen Rätseln wacht Adrian auf und danach kann man beide Figuren steuern. Also man kann zwischen den Charakteren hin und her switchen wie man es auch aus BROKEN SWORD oder SECRET FILES kennt. Das funktioniert hier ganz gut. Schonmal weil man sich die meisten Gegenstände mit beiden Figuren ansehen sollte. Beide sehen in den Gegenständen meist etwas anderes und manchmal ergänzen sich die beiden Informationen, was einen als Spieler dann weiterhilft. Außerdem gibt es dabei witzige Dialoge, was dem Spiel bis dahin gefehlt hatte. Denn ein ständig nörgelnder und sarkastischer Darren/Adrian ist auf Dauer nicht besonders witzig, sondern nervend! Im letzten Kapitel hat man das Gefühl als wären die Macher vom zweiten Teil und den ersten 5 Kapiteln vom Dritten nach Hause gegangen und ein anderes Team hat übernommen. Aber diesmal zum Vorteil! Im letzten Kapitel gibt es ein paar rechte komplizierte Rätsel, wo wir ganz schön ins Schwimmen gekommen sind. Unfair oder unmöglich zu lösen waren sie alle nicht, nur eben schwer. Aber mit Hilfe der zwei steuerbaren Charaktere hatte das seinen Charme und hat einen beim Spielen nicht zu sehr frustriert. Da fragt man sich wirklich: Warum nicht so schon früher im Spiel? Oder gar gleich zum Anfang des dritten Teils? Das hätte das ganze Spiel durchaus aufgewertet und so hätte das Spiel vielleicht auch ein ganzes Stück mehr Spaß gemacht. Noch eine ungenützte Chance.

Black Mirror II (2009)

BLACK MIRROR aus dem Jahr 2003 war seiner Zeit ein recht erfolgreiches Grafikadventure gewesen. Allerdings sah es da nicht nach einer Fortsetzung aus. Schonmal weil die Story so weit abgeschlossen war. Das Entwicklerstudio Future Games hatte sich seinem nächsten Adventure zu gewendet und Special Editions zu BLACK MIRROR erschienen und dann wurde es erst einmal ruhig um das Spiel und seine Story. Hier übernahm dann das deutsche Entwickler Studio Cranberry Productions (heute mehr als Deck 13 bekannt), dass seit 2002 existierte und im Jahr 2008 das Grafikadventure MATA HARI entwickelt hatten. 2009 erschien BLACK MIRROR II. In Deutschland und in den meisten europäischen Ländern hieß das Spiel auch einfach so. In Tschechien hieß es dann aber natürlich POSEL SMRTI 2, weil es da nie BLACK MIRROR hieß. In Nordamerika hieß das Spiel wohl BLACK MIRROR II: Reigning Evil. Anschließend wurde auch BLACK MIRROR III von den Hannoveranern entwickelt. Jenes erschien dann 2011. Ihr populärstes Adventure allerdings Jane Jensens’ GRAY MATTER von 2010, an dem sie auch beteiligt waren. Aber bleiben wir erst einmal bei BLACK MIRROR II. Eine unerwartete Reise Fortsetzung.

Zunächst einmal ist es ein klassisches Point’n’Click-Adventure, wie schon sein Vorgänger. Hier wurde allerdings eine neue Grafik-Engine verwendet, so das das Spiel den typischen Look von europäischen Grafikadventure der späten 2010er Jahre hat. Die schön gezeichneten Hintergründe und die gut animierten Figuren erinnern nicht von ungefähr an GEHEIMAKTE TUNGUSKA und Co. . So gibt es hier nun auch neben den Spielhilfen, die es auch schon im ersten Teil gab, jetzt auch die dazu schaltbaren Hotspots, sodass man nicht mehr den Bildschirm mit dem Mauszeiger abfahren muss, um die Pixel großen Items zu finden. Gerätselt wird wieder klassisch mit Gesprächen mit den NPCs, Verschieberätseln, Kombinationsaktionen und man ist wieder ständig auf der Suche. Auf Aktioneinlagen hat man auch hier wieder zum Glück verzichtet. Wie auch im ersten Teil kann man in dem Spiel sterben. Immer wieder speichern kann man, ist aber in den “Todessituationen” nicht nötig, weil man via automatische Speicherung gleich wieder zurück an die Stelle gesetzt wird, kurz bevor man “gestorben” ist. So entsteht auch nicht wirklich Hektik, weil man so oft rumprobieren kann, bis man weiter kommt.

Im ersten Teil hatten die Little Miss Fangirl und ich ein paar Schwierigkeiten mit einigen Rätseln. Wir kamen nicht weiter und nach einem Blick in eine Komplettlösung, fanden wir jene dann so weit um drei Ecken gedacht, dass wir vielleicht selbst nach Tagen da nie drauf gekommen wären. So ging es uns beim zweiten Teil nicht einmal. Die Tipps haben wir schon mal genutzt, aber die Lösungen waren hier nie so, dass wir gedacht hätten, da wäre wir nie drauf gekommen. Mehr so, ach ja, natürlich! Noch eine gute Nachricht für Leute die Verschieberätsel hassen: Wenn man jene nach einer Weile nicht schafft, dann erscheint ein Hebel, den man betätigen kann, um das Rätsel zu überspringen. Mussten wir auch ein oder zwei Mal benutzen, weil wir nicht die Geduld hatten, da lange herumzuprobieren. So hat das Spiel eine ganz gute Balance, wie ich finde. Man kann alle Tipps- , Hotspot- und Überspringfunktionen ausschalten und ignorieren, dann hat man ein ordentliches Grafikadventure das einen fordert, aber es ist eben mit den Hilfen auch für Anfänger und Nichtprofis geeignet.

Da es eine Fortsetzung und keine Vorgeschichte ist, gibt es nach den nervigen und eingebildet klingenden Samuel aus Teil eins nun einen neuen “Helden”. Wenn man schon dachte, dass Samuel aus Teil 1 genervt hat, dann kann man sich auf Darren in Teil 2 freuen. Egal was man anklickt, Darren hat zu jedem Item eine geringschätzige oder abwertende Meinung. Was Anderes als Zynismus hört man hier nur selten. NPC werden grundsätzlich auch fast nur angemacht oder gar angebrüllt. Unfreundlich ist er eigentlich zu jedem. Bis ihm eine fesche Püppie über den Weg läuft und er ihr gegenüber plötzlich Kreide gefressen hat. Aber zu dem Charakter von Angelina komme ich weiter unten nochmals in der Spoiler-Sektion. Die Story selbst ist nicht besonders originell und ein bisschen an den Haaren herbei gezogen um hier direkte Fortsetzungen zu schaffen. Trotzdem hat uns das Spiel schon Spaß gemacht, hatte ein paar kleinere Überraschungen und war ein wenig spannend. Ein bisschen länger als sein Vorgänger kam es uns auch vor, schon mal weil man hier zwar mehr Spielzeit hat, aber weniger durch die Gegend hin und her rennen musste. Nach knapp 20 Stunden Spielzeit waren wir durch. Das ist eine ordentliche Zeit für ein Adventure. Wem der erste Teil gefallen hat (und den muss man wirklich vorher gespielt haben), der kann sich beruhigt an Teil 2 wagen, denn es ist zwar kein Meisterwerk, bietet aber mehr Spielspaß als sein Vorgänger.

Nun aber doch ein bisschen SPOILER! Also nicht weiterlesen, wenn man das Spiel noch nicht kennt und vielleicht mal spielen will. Auch wenn das Spiel dann erst einmal in Maine in New England spielt, so ist einen natürlich schnell klar, dass die neue Hauptfigur Darren ein Gordon sein muss. Aber wie und warum und woher weiß man nun nicht gleich. Allerdings kann er ja nur von einem verschollenen Familienmitglied abstammen oder es gab einen Nachkommen von Catherine und Samuel, von denen im ersten Teil nicht die Rede war. Im Gegenteil, es wird ausdrücklich davon geredet, dass nach Catherine Tod 12 Jahre zuvor, die beiden den Gordons keine Nachkommen geschenkt haben. Naja, wohl könnte sich Sam nachdem Tod von seiner Frau natürlich schnell über eine andere Frau hergemacht haben und mit ihr einen Sohn gehabt haben. Vielleicht sogar die Mutter von Darren, die ihm sagte, dass sie früher Köchin auf einem Schloss in England war. Aber so kompliziert wollten die Macher von Teil 2 es nun doch nicht machen! Natürlich ist Darren der Sohn von Catherine und Samuel. Und seine echte Mutter lebt sogar noch! Und hatte sich bis zu dem Tod von Sam (in Teil 1) 12 Jahre lang im Schloss Black Mirror versteckt! Hm, naja, okay.. Und ja Angelina, der Lovecrush von Darren ist dann natürlich nicht einfach nur ein Mädel aus good ol’ England, sondern Darrens Zwillingsschwester! Tja, also ein böser Vater, der nicht immer so böse war, sondern es wurde und umkam, hat zwei Kinder, also Zwillinge mit seiner Frau, die es ihm aber nicht verrät und die er ja praktisch auch umgebracht hat. Die Kinder erben dann also seinen Fluch. Hm, das so was von Originell, wenn man noch nie in seinem Leben was von Star Wars gehört hat…

Tatsächlich hatten wir beim Spielen so ein bisschen rumgewitzelt, von wegen Zwillinge mit bösem Vater, hätten aber nicht gedacht, dass die Entwickler das wirklich so durchgezogen hatten. Okay, das Ende ist ein bisschen Anders und es ist eine nette Idee, dass nicht der Sohn der vom Fluch getroffene ist, sondern mal die Tochter böse geworden sein darf. Wobei .. es ist da noch die Frage, wie es in Teil 3 weiter geht?!

Black Mirror (2003)

BLACK MIRROR (dt. mit dem Zusatz “Der dunkle Spiegel der Seele”) wurde von dem tschechischen Softwarehaus Future Games entwickelt, die mit den Fortsetzungen wohl scheinbar nichts mehr zu tun hatten. Das klassische Grafikadventure erschien 2003 via The Adventure Company, wie so viele Adventure dieser Zeit. Der originale Titel des Spiels war “Posel Smrti” was so viel wie Todesbote oder Überbringer des Todes bedeutet. Weltweit ist das Spiel aber unter den Titel BLACK MIRROR erschienen. Ich hatte mir seiner Zeit 2005 die Special Edition dtp Entertainment gekauft. Jene erschien in einer kleinen Euro-Box aus Pappe und mit ein paar Extras aus der DVD, wie Komplettlösung ein Video-Interview mit den Entwicklern, Wallpaper und den Soundtrack. Gespielt hatte ich es Damals das erste Mal 2006. Seiner Zeit hatte mir das Spiel sehr gut gefallen. Aber das war auch in der Zeit gewesen, als man sich über jedes Grafikadventure gefreut hatte, dass da noch erschien. Die zweite Grafikadventure-Welle begann ja erst so richtig 2007/2008.

Da ich die beiden Fortsetzungen (und das 2017er Reboot oder was das vierte Spiel auch immer sein soll) und jene nun mal angehen wollte, zudem die Little Miss Fangirl aka Little Miss Gamer den ersten Teil noch gar nicht kennt, haben wir uns den jetzt mal zu Gemüte gezogen. Von 2003 hat das Spiel natürlich noch ein 4 zu 3 Bildformat, dass man besser nicht auf 16 zu 9 oder breiter aufscallieren sollte. Das sieht dann doch zu hässlich aus. Für die Zeit hat das Spiel eine gute Grafik, die sich wirklich noch heute sehen lassen kann. Klar, die Charaktere sind da noch recht stark verpixelt und haben nur wenige Animationsschritte, so das der übliche Augsburger-Puppenkiste-Look der späten 90ziger / frühen 2000er erzeugt. Sound und Musik und stimmig. Die deutschen Sprecher sind fast durchgehend professionell. Die Hauptfigur Samuel Gordon wird von David Nathan (z.B. Johnny Depp) gesprochen. Die Geschichte ist an sich spannend und ein wenig gruselig. Der Gore-Faktor hält sich erfreulicherweise in Grenzen, was man von einem Spiel ab 16 schon erwarten sollte. Mit meiner Tochter hatte ich es deshalb Damals nicht gespielt.

Die Rätsel sind teilweise ein wenig einwillig. Es gibt schon die übliche Adventure-Kost mit Verschieberätsel und finde den Schlüssel usw. , was hier ganz gut funktioniert. Man hat hier keine Hotspot-Funktion, so das man manchmal schon den Bildschirm mit dem Mauszeiger von oben nach unten abfahren muss. Es ist also auch so eine klassische Maussteuerung vorhanden, die hier aber auch die einzige Steuermöglichkeit ist. Man hat ein Inventar, in dem man sich manchmal die Objekte anschauen kann und auch manchmal kombinieren kann. Seltsam war wirklich die Wahl wie man hier Items findet. In manchen Spielen sammelt man noch und noch Items in seinem Inventar und verliert dann den Überblick oder versucht sich zu Tode beim Anwenden auf irgendwelche Items in den Räumen. Manche Spiele sind da ein wenig umsichtiger und beschränken sich auf wenige Items, die man aufnehmen kann und meist kann man die dann auch in dem Abschnitt gleich benutzen bzw. verschwinden dann für den nächsten Abschnitt oder Kapitel aus dem Inventar. Bei BLACK MIRROR hat man die Vorgehensweise ein wenig übertrieben! Die meisten Items findet man erst, wenn man sie wirklich benötigt. Klingt ja gut, funktioniert hier aber so, dass man sich erst in einem Bild etwas angucken oder ein Hinweis in einem Gespräch bekommen muss, bevor man in einem anderen Bild, dass man schon mal durchsucht hat, etwas Neues zu finden. Und selbst dann muss man z.B. drei Mal in eine als “dunkle Ecke” auf dem Bildschirm klicken, bis der Herr Gordon da was findet.

Man endet also in dem Spiel damit, dass man zwar einen Abschnitt oder Ort nicht verlassen kann (Kommentar von Gordon: “Ich will noch nicht gehen!”), bevor man nicht alles erledigt hat, aber die Räume/Bilder immer und immer wieder abläuft, mit dem Mauszeiger den Bildschirm abfährt, ob es da vielleicht mal wieder was Neues zum aufnehmen gibt und sich immer und immer wieder mit den NPCs unterhalten muss. Das macht das Spiel ein wenig länger, aber nicht spannender. Sonst sind die Rätsel meist lösbar, aber eine wenige mussten wir doch in der Komplettlösung nachlesen, weil wir nicht so weit um die Ecke denken konnten, wie die Programmierer. Knapp 18 Stunden haben wir an den 6 Kapiteln des Spiels gesessen, wobei es natürlich nur halb so lang gewesen wäre, wenn man nicht andauernd hin und her laufen müsste. So hat es uns schon Spaß gemacht, aber ob man es wirklich heutzutage noch weiterempfehlen kann.. glaube ich nicht.