Der irre Maximilian

Was ich von Mad Max gesehen habe, gefiel mir von Anfang an sehr. Was ich darüber gehört und gelesen habe, allerdings weniger. Hier war wieder so ein Spiel, das eine großartige Grafik und Atmosphäre versprach, generell auch gut funktionieren soll, aber bei dem sich – da waren sich alle Rezensenten einig – nach einigen Stunden Spielzeit nichts neues mehr tut. Was nicht schlimm wäre, wenn das Spiel nicht unnötig umfangreich sei und sich dieser Umfang somit auf immer dieselben drei Spielmöglichkeiten beschränken würde.

Eindeutig also mal wieder ein Steam-Sale Kandidat: Ein Spiel, das ich trotz der Kritiken gerne spielen würde, weil mir die Grafik und die Thematik gut gefällt, bei dem ich mich aber schwer tue, viel Geld auszugeben.

Weihnachten wars dann soweit: Für sieben Euro gekauft. Günstig genug, um kein Bedauern zu haben, wenns nach zehn Stunden keinen Spaß mehr macht und wieder von der Platte fliegt. Gleich mal Entwarnung: So schnell fliegt es nicht runter.

20170226173926_1

Im Prinzip erfüllt es aber genau die Erwartungen: Es ist grafisch großartig. Die Wüstenlandschaft wird hochdramatisch in Form und Farbe in Szene gesetzt, alles sieht alt, dreckig und tausend mal repariert aus und die Story hat diesen aus den besseren Mad Max Filmen (also Teil 2 und dem neuen, vierten) bekannten Humor, der so zwischen den Zähnen rausgequetscht wird.

Spielerisch ist Mad Max hauptsächlich ein Brawler mit etwas Auto fahren. Das Kampfsystem habe ich – als völlig unerfahrener Spieler dieses Genres, der an den wegen ihrer guten Zugänglichkeit hochgelobten Batman-Spielen gescheitert ist – recht schnell verstanden und es geht mir inzwischen erstaunlich flüssig von der Hand. Man kann auch schießen, allerdings ist Munition derart schwer zu bekommen, dass man mit einer Handvoll Kugeln für sein Snipergewehr oder die Schrotflinte sehr genau überlegen muss, wann man sie einsetzt. Meistens kämpft man mit den Händen.

20170304183703_1

Das ist dann auch die Stelle, an der mir klar ist, dass ich irgendwann mal keine Lust mehr auf das Spiel haben werde, bevor ich durch bin. Denn ich würde lieber etwas mehr schießen können oder generell etwas mehr Fernkampf haben. Am Ende ist mir die Prügelei nämlich immer zu indirekt: Es ist was anderes, ob man eine Maustaste zum Parieren und eine zum schlagen hat und eine Spielfigur daraus (durchaus coole) Reaktions- und Angriffskombos macht oder ob man selbst zielen und abdrücken kann und man damit eine wesentlich direktere Umsetzung seiner Aktion hat.

20170126235104_1

Auch das Fahren funktioniert grundsätzlich gut. Es fühlt sich schnell an und es macht Spaß, über die unterschiedlichen Untergründe zu driften. Die Autos sind letztendlich auch die wichtigsten Gegenstände im Spiel, die man nach und nach aufrüstet und ausbaut. Aber auch hier bleibt es eben am Ende doch nur Auto fahren: Also auch etwas, was ich jetzt nicht gerade am liebsten spiele.

Was auch stimmt: Die Landkarte ist riesig. Es gibt allerdings doch ein paar mehr Spielmöglichkeiten, als befürchtet und sie machen auch genug Spaß und sind ein gutes Stück abwechslungsreicher, als es die Rezensionen vermuten lassen. Das mag daran liegen, dass ich im Gegensatz zu einem normalen Spieleredakteur hier Gamemechaniken vorfinde, mit denen ich mich so noch nie befasst hatte und die daher relativ neu für mich sind. Ich nehme an, dass jemand, der schon immer auch Brawler spielt, hier schneller abwinkt, weil das ja nichts neues für ihn ist.

20170226174500_1

Das, was das Spiel heraushebt, sind die Details und die Atmosphäre. Das Wetter hat zum Beispiel enorme Auswirkungen. So gibt es hin und wieder Sandstürme, die gerne auch mal anfangen, während man gerade ein feindliches Lager aushebt. Dadurch wird das Spiel tatsächlich total anders, denn der Sturm behindert nicht nur mich als Spieler, dessen Spielfigur sich gegen den Sturm stemmen muss, um nach vorne zu kommen oder doppelt so schnell vorangeschoben wird, wenn sie Rückenwind hat. Man kann sich hinter den klappernden Blechwänden schützen und wenn man um die Ecke geht fliegt man erst mal ein paar Schritte zurück, bis die Spielfigur wieder standfest ist – was auch übel ausgehen kann, wenn man zu nah an einer Kante steht. Das interessante daran ist aber, dass dasselbe auch für die Gegner gilt.

madmax-23-01-2017-19-33-48-209

Ich habe inzwischen gute 20 Stunden zusammen und immer noch Lust auf Mad Max. Die phänomenale Grafik und das wirklich gut funktionierende Spielgefühl der zugegeben für die Größe der Spielwelt eingeschränkten Spielmechaniken wird mich noch eine ganze Weile immer wieder zurückholen. Die Story ist schick, die Vertonung top, die Es war somit gut angelegtes Kleingeld.

Advertisements