Rage 2 -zur Hälfte gut

Rage2 Screenshot 2019.05.25 - 17.00.56.08

Ok, ich hab inzwischen meine ersten paar Stunden und einiges an Progression in Rage 2 durch und denke, ich kann ein erstes Fazit ziehen: Es ist ein bisschen zweigeteilt.

Was gelungen ist: Der Shooterpart ist tadellos. Wenn nicht sogar die beste Shooter-Implementierung in einem Open World Spiel ever und das ist nicht übertrieben. Das sagen sogar die schlimmsten Verrisse. Es macht Spaß, ist schnell, Waffen machen richtig wumms und geben das richtige Gefühl von “Macht” und Dynamik. Das sieht man in der ersten Hälfte meines Videos hier ganz gut, wo ich mal versucht habe, unterschiedliche Waffen zu benutzen (vor allem meine zwei Lieblinge – die Shotgun und die Pistole mit Explosionsgeschossen). Hier liegen ganz klar die Stärken des Spiels und machen definitiv Lust auf mehr.

Was nicht gelungen ist: Die offene Welt ist mühsam. Fasttravel ist zu rudimentär und in den Hauptmissionen wird man ständig über viel zu weite Strecken auf kaum abzukürzenden künstlich langgestreckten Straßenstrecken in einer undynamischen, kulissenhaften Welt geschickt, was das Spiel zwischen den hervorragenden Shooterparts viel zu zäh und auseinander gerissen erscheinen lässt. Und dafür, dass es das selbe Studio ist, das das von mir sehr geliebte Mad Max gemacht hat, ist das Fahren seltsamerweise wirklich nicht arg spaßig ausgefallen. Was Atmosphäre und Story angeht bleibt es auch generell hinter Mad Max und sogar hinter dem ersten Rage zurück. 

Screenshot_2019-05-25_19_00_43

Die Grafik selbst und die Welt ist natürlich rein optisch wirklich toll und ich hatte heute im The Pod Podcast gehört, es sei halt Mad Max mit anderen Texturen, was dem Ganzen m.E. ein bisschen zu sehr Unrecht tut – die Welt ist schon noch mal sehr viel anders, wesentlich detaillierter und auch die Level sind ausgereifter. Ok, nicht der, den ich oben verlinkt habe, aber es werden auch in einfachen “Aufräummissionen” immer mal wieder ganz lustige Storyelemente und interessante Wendungen eingebaut, die es bei Mad Max so noch nicht gab.

Was allerdings wirklich stört: Es gibt echt noch viele, viele Bugs. Nicht allzu schlimme so im Einzelnen (wobei man in einer der Storymissionen leider einen echt bösen Stopper erzeugten kann – wer da nciht zufällig ein passendes Savegame hat, ist da fies gearscht), aber da fehlt immer mal mal der Ton eines Dialoges – was man nur merkt, wenn man Untertitel eingeschaltet hat – oder eine Textur flimmert herum oder Assets liegen in der Luft… und die Regelmäßigkeit mit der das passiert geht einem auf Dauer wirklich auf den Keks.

Screenshot_2019-05-26_14_05_09

Und nun? Kann ichs empfehlen?

Tatsächlich ja, aber erstens nur Spieler*innen, die über die schwache Open World und die winzige Sparstory hinwegsehen können und zweitens nicht jetzt und schon gar nicht zum Vollpreis. Man hat ständig das Gefühl, es fehlt noch einiges, das eigentlich im Spiel hätte sein sollen, aber sie haben’s nicht rechtzeitig fertig bekommen, die Bugdichte ist spürbar und die Open World ist noch zu unausgewogen und leer – es ist einfach noch nicht fertig. Es sind noch einige Features angekündigt und ich nehme an, dass es in ein paar Monaten eine ordentliche Goldversion gibt, die dann auch wirklich das Spiel ist, das es eigentlich hätte sein sollen.

Ich bin ja generell mit Spielen sehr gnädig, weil ich Spiele normalerweise so nehme, wie es gedacht ist und nicht, wie es z.B. professionelle Kritiker*innen erwarten. Hier muss ich aber sagen: Es ist ganz offensichtlich – noch – nicht so, wie es eigentlich gedacht war. Wäre der Shooterpart nicht derart befriedigend, würde ich komplett vom Kauf abraten.

Der irre Maximilian

Was ich von Mad Max gesehen habe, gefiel mir von Anfang an sehr. Was ich darüber gehört und gelesen habe, allerdings weniger. Hier war wieder so ein Spiel, das eine großartige Grafik und Atmosphäre versprach, generell auch gut funktionieren soll, aber bei dem sich – da waren sich alle Rezensenten einig – nach einigen Stunden Spielzeit nichts neues mehr tut. Was nicht schlimm wäre, wenn das Spiel nicht unnötig umfangreich sei und sich dieser Umfang somit auf immer dieselben drei Spielmöglichkeiten beschränken würde.

Eindeutig also mal wieder ein Steam-Sale Kandidat: Ein Spiel, das ich trotz der Kritiken gerne spielen würde, weil mir die Grafik und die Thematik gut gefällt, bei dem ich mich aber schwer tue, viel Geld auszugeben.

Weihnachten wars dann soweit: Für sieben Euro gekauft. Günstig genug, um kein Bedauern zu haben, wenns nach zehn Stunden keinen Spaß mehr macht und wieder von der Platte fliegt. Gleich mal Entwarnung: So schnell fliegt es nicht runter.

20170226173926_1

Im Prinzip erfüllt es aber genau die Erwartungen: Es ist grafisch großartig. Die Wüstenlandschaft wird hochdramatisch in Form und Farbe in Szene gesetzt, alles sieht alt, dreckig und tausend mal repariert aus und die Story hat diesen aus den besseren Mad Max Filmen (also Teil 2 und dem neuen, vierten) bekannten Humor, der so zwischen den Zähnen rausgequetscht wird.

Spielerisch ist Mad Max hauptsächlich ein Brawler mit etwas Auto fahren. Das Kampfsystem habe ich – als völlig unerfahrener Spieler dieses Genres, der an den wegen ihrer guten Zugänglichkeit hochgelobten Batman-Spielen gescheitert ist – recht schnell verstanden und es geht mir inzwischen erstaunlich flüssig von der Hand. Man kann auch schießen, allerdings ist Munition derart schwer zu bekommen, dass man mit einer Handvoll Kugeln für sein Snipergewehr oder die Schrotflinte sehr genau überlegen muss, wann man sie einsetzt. Meistens kämpft man mit den Händen.

20170304183703_1

Das ist dann auch die Stelle, an der mir klar ist, dass ich irgendwann mal keine Lust mehr auf das Spiel haben werde, bevor ich durch bin. Denn ich würde lieber etwas mehr schießen können oder generell etwas mehr Fernkampf haben. Am Ende ist mir die Prügelei nämlich immer zu indirekt: Es ist was anderes, ob man eine Maustaste zum Parieren und eine zum schlagen hat und eine Spielfigur daraus (durchaus coole) Reaktions- und Angriffskombos macht oder ob man selbst zielen und abdrücken kann und man damit eine wesentlich direktere Umsetzung seiner Aktion hat.

20170126235104_1

Auch das Fahren funktioniert grundsätzlich gut. Es fühlt sich schnell an und es macht Spaß, über die unterschiedlichen Untergründe zu driften. Die Autos sind letztendlich auch die wichtigsten Gegenstände im Spiel, die man nach und nach aufrüstet und ausbaut. Aber auch hier bleibt es eben am Ende doch nur Auto fahren: Also auch etwas, was ich jetzt nicht gerade am liebsten spiele.

Was auch stimmt: Die Landkarte ist riesig. Es gibt allerdings doch ein paar mehr Spielmöglichkeiten, als befürchtet und sie machen auch genug Spaß und sind ein gutes Stück abwechslungsreicher, als es die Rezensionen vermuten lassen. Das mag daran liegen, dass ich im Gegensatz zu einem normalen Spieleredakteur hier Gamemechaniken vorfinde, mit denen ich mich so noch nie befasst hatte und die daher relativ neu für mich sind. Ich nehme an, dass jemand, der schon immer auch Brawler spielt, hier schneller abwinkt, weil das ja nichts neues für ihn ist.

20170226174500_1

Das, was das Spiel heraushebt, sind die Details und die Atmosphäre. Das Wetter hat zum Beispiel enorme Auswirkungen. So gibt es hin und wieder Sandstürme, die gerne auch mal anfangen, während man gerade ein feindliches Lager aushebt. Dadurch wird das Spiel tatsächlich total anders, denn der Sturm behindert nicht nur mich als Spieler, dessen Spielfigur sich gegen den Sturm stemmen muss, um nach vorne zu kommen oder doppelt so schnell vorangeschoben wird, wenn sie Rückenwind hat. Man kann sich hinter den klappernden Blechwänden schützen und wenn man um die Ecke geht fliegt man erst mal ein paar Schritte zurück, bis die Spielfigur wieder standfest ist – was auch übel ausgehen kann, wenn man zu nah an einer Kante steht. Das interessante daran ist aber, dass dasselbe auch für die Gegner gilt.

madmax-23-01-2017-19-33-48-209

Ich habe inzwischen gute 20 Stunden zusammen und immer noch Lust auf Mad Max. Die phänomenale Grafik und das wirklich gut funktionierende Spielgefühl der zugegeben für die Größe der Spielwelt eingeschränkten Spielmechaniken wird mich noch eine ganze Weile immer wieder zurückholen. Die Story ist schick, die Vertonung top, die Es war somit gut angelegtes Kleingeld.