Watch the Dog

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Okay, ich hab die ersten zehn bis fünfzehn Stunden gespielt, also kann ich guten Gewissens mein erstes Fazit ziehen.

Erstens: Watchdogs ist nicht das Spiel geworden, das man uns versprochen hat.
Zweitens: Das hat allerdings wahrscheinlich auch niemand ernsthaft erwartet.
Drittens: Das Spiel, das es jetzt geworden ist, ist durchaus ein gutes Spiel.

Die Hintergrundgeschichte ist eine langweilige Rachestory, die für sich aber solide und gut erzählt wird. Kunststück, es gibt dafür ja genügend Vorlagen, so dass es schon schwer ist, das falsch zu machen. Da ich bei FIlmen und Spielen ganz gut zwischen Metakritik (am Sujét, an den Stereotypen, an Tropes usw) und Immersion trennen kann, kann ich dennoch Spaß an einer Geschichte haben, wenn ich sie mir dann anschaue. Das ist hier auch gut möglich, denn natürlich könnte der Hauptcharakter gerne interessanter sein, die Story ungewöhnlicher, die Atmosphäre eine spannendere – wenn man diese “was wäre wenn”-Fragen weglässt, erlebt man dennoch eine ordentliche Geschichte mit guten Nebencharakteren in einer lebendigen und gut gestalteten Stadt.

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Die Geschichte steht aber ohnehin gar nicht so sehr im Mittelpunkt, was in einigen Rezensionen auch als Kritikpunkt angeführt wird. Ich finde das allerdings nicht so schlimm (was eventuell anders wäre, wenn die Story eben interessanter wäre), letztendlich lebt das Spiel von den Interaktionsmöglichkeiten. Von denen gibt es tatsächlich jede Menge und dass man damit sehr unterschiedlich spielen kann bemerkt man eventuell erst nach einer Weile. Man kann Watchdogs nämlich durchaus sehr eindimensional spielen. Zum Beispiel, indem man in klassischer GTA-Manier alles umnietet oder überfährt, was sich einem in den Weg stellt. Oder man schleicht Splinter-Cell-artig an allem vorbei und versteckt sich bei Verfolgungsjagden in Gassen und Garagen.

Was aber viel mehr Spaß macht ist, konsequent die Hackingmöglichkeiten zu nutzen, um zunächst mal das gesamte Missionsareal zu erkunden, die ersten Gegner durch geschickte Ablenkung z.B zu einer Stelle zu lotsen, in der man eine Explosion auslösen kann, ihre Kommunikation zu stören, um sie ein paar Sekunden kampfunfähig zu machen und dann erst an den übrig gebliebenen vorbei zu schleichen oder sie halt doch zu erschießen.

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Auch das Auto fahren fühlt sich im ersten Moment nicht wirklich anders an, als man es von GTA oder Saints Row her kennt. Der Steuerung fehlt für meinen Geschmack etwas Balance, aber man gewöhnt sich dran. Die Fahr-Missionen sind denn auch für mich das uninteressanteste, was Watchdogs zu bieten hat und ich bin ganz froh, dass man die auch links liegen lassen kann, ohne dass man dadurch ein halbes Spiel weniger hat. Ich benutze Autos nur als Vehikel, um schneller von A nach B zu kommen und dafür funktionieren sie ganz gut.

Viel cooler ist es ohnehin, als Aiden durch die Stadt zu spazieren. Das Bewegungsmodell ist wirklich klasse, er hüpft behände über Hindernisse, klettert aus dem Lauf über Zäune oder auf Dächer, oder er spaziert unauffällig über den Gehweg und hackt sich dabei in aller Ruhe in die Gespräche, Textmessages und Bankkonten der anderen Passanten. Das bringt schon einen schönen Flow und ist auch das, was Watchdogs atmosphärisch letztendlich von anderen Open World Games in Städten unterscheidbar macht. Schade nur, dass es nicht mehr Auswirkungen hat: Ich höre mir Telefonate an oder Whatsapp-Chats – bekomme dadurch auch in und wieder mal eine Miniaufgabe ab – aber wie viel mehr Atmosphäre hätte man hier erzeugen können, wenn man – und wenn auch nur durch ein einfaches gut/böse Punktemodell – eine Konsequenz dafür gibt, wem man das Geld aus den Konto hackt? Abgesehen mal von den vielen verschenkten Möglichkeiten, die sich daraus ergeben hätten, über Familien, Firmen, Freundeskreise usw. schöne Nebengeschichten einzubauen die es herauszufinden gälte und am Ende durch eine moralische Entscheidung den Ausgang der Geschichte zu bestimmen.

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Das ist auch die Hauptkritik, die ich am Spiel üben kann: Die Welt bleibt beliebiger als nötig. Sie besteht aus schönen Missionen, vielen unterschiedlichen Spielmöglichkeiten (das Multiplayerspiel muss ich auch noch ausprobieren, da bin ich noch nicht wirklich eingestiegen), die aber alle nicht wirklich einen Zusammenhalt haben. Das ist natürlich letztlich meine Kritik an eigentlich jedem Open World Spiel – das ist bei GTA und Saints Row nicht groß anders. Ich hatte aber gehofft, dass Watchdogs hier einen Schritt weiter kommt. Tut es aber leider nicht.

Dennoch macht mir Watchdogs mehr Spaß als GTA. Das liegt daran, dass ich von Anfang an – und hier unterscheide ich mich offensichtlich sehr stark von anderen Rezensionen die ich in letzter Zeit gelesen habe – sehr viel tun kann. Ich hab sehr schnell sehr viel Macht, sei es durch die schnelle Steigerung meiner Hackingskills, der Zugang zu guten Waffen, die Möglichkeit, schnell an viel Geld und gute Autos zu kommen… Ich finde das super, denn ich muss nicht erst 100 Stunden spielen, bis ich an den richtig geilen Swag rankomme. Klar, die Fülle der Möglichkeiten kann einen auch verwirren, aber die Variante, alle Möglichkeiten offen zu haben und damit ohne künstliche Einschränkung sein eigenes Spiel finden zu können finde ich sehr befreiend.

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Am Ende noch ein paar technische Anmerkungen:

Die Grafikoptionen kann ich trotz meiner etwas älteren Grafikkarte (GTX 560Ti) locker auf “good” und hier und da sogar auf “very good” setzen. Lediglich der fehlende Grafikspeicher (ich hab nur 1GB) verhindert die generelle Anzeige von sehr guten Texturen, was sich an verschieden Stellen zeigt, wenn sich gut und weniger gut aufgelöste Texturen treffen.

Ich glaube, dass das Spiel an vielen Stellen technisch ausgebremst wird – eventuell zu Gunsten der alten Konsolen – denn die Menge der Passanten und der Autos auf den Straßen könnte meiner Meinung locker doppelt so hoch sein, wenn nicht höher. In den Stadtbahnen sitzen auch kaum Pendler und auf Plätzen, die eigentlich belebter sein müssten, tut sich auch nicht viel. Es gibt keine Demos, keine Schlangen vor Kinos, keine Schulklassen beim Ausflug, keine Straßenmusiker, keine unterscheidbaren öffentlichen Berufe wie Müllabfuhr oder Notarzt. Das sah alles in den Trailern der letzten zwei Jahre anders aus und ich glaube dass man das rausgenommen hat und sich bewusst dafür entschied, kein Next-Generation Spiel zu machen, wie man es zuerst vor hatte.

Dafür spräche auch die schlechte KI.

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Was geht mit Essen?

In letzter Zeit fallen mir nur noch Computergames in die Hände, in denen es einfach keinen Klo geben will. Man steht vor verschlossener Tür und alles trampeln hilft da nicht.
Geht man eben zurück in die Kneipe und macht es wie überall auf der Welt. Wir fotografieren/instagrammen das Essen, die Drinks und die Bar.

Bei Nico ist Schmalhans mal wieder Küchenchef.

David Kushner – Jacked (2012)

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 David Kushner’s Buch JACKED über Rockstar und die GTA-Reihe ist im Gegensatz zu MASTERS OF DOOM von ihm nicht wirklich von den Machern abgesegnet. Was im Buchtitel auch gleich mit in den Titel verarbeitet worden ist. Das vermindert aber nicht das Lesevergnügen. Wie schon in MoD schreibt Kushner zwar aus der Sicht als Fan und Spieler, aber eben auch mit genug Abstand, das er auch die andere Seite beleuchtet und relativ objektiv über Gegner von Action-Shooter-Spielen berichtet. Hier beleuchtet er die Geschichte des britischen Entwicklerstudios Rockstar und eben insbesondere die GTA-Serie, die insbesondere ab Teil 3 genauso Spielegeschichte geschrieben hat wie DOOM oder SIMCITY. Das Spielkonzept stand bekanntlich schon ab den ersten Teil, aber der richtige Knaller wurde es erst als mit Teil 3 der Schritt von der Draufsicht in die 3D-Sicht gegangen wurde. Das Buch gibt es wieder eben auch schon MoD nur auf englisch und wird auch voraussichtlich nicht in deutsch erscheinen. Lesenswert ist es auf jedenfalls, auch wenn man die Geschichte schon aus diversen Berichten und Interviews kennt, trägt Kushner das alles hier in seinem Buch zusammen. Besonders eben auch den Wirbel um den sogenannten Hot-Coffee-Mod in GTA:SA, der eigentlich kein Mod war, sondern ursprünglich ein Minispiel, das Bestandteil des „Erwachsenen“-Spiels war und aus Zeitgründen nicht mehr aus Gamecode entfernt wurde.

Der Hot-Coffee-Mod hat aber eben gut die Unterschiede zwischen den USA und Europa gezeigt. Wurde das Spiel hier in Deutschland um ein paar Blutlachen entschärft, die in den USA so keinen richtig auf die Palme brachten, so gab es hier nur ein Schulterzucken zu den Hot-Coffee-Mod, der im prüden Amerika zu Weltuntergangsszenarien führte. „Oh mein Gott! Sex in einen Erwachsenenspiel!“ Kushner dokumentiert hier gut die Hysterie die in den USA ausgelöst wurde. Pervers wenn man dann ließt das Walmart das Spiel aus den Regalen nahm, aber weiter Waffen verkaufte. Scharfe Waffen wohlgemerkt.

Das Buch und die kürzlich für Android erschienen 10th-Aniversery-Edition von GTA3 hat mich dann an meine eigene Geschichte mit der GTA-Serie erinnern lassen. Nun Spiele ich also im Moment GTA3 auf Smartphone und Tablet. Bedingt durch die Touchscreen-Steuerung ist das natürlich nicht so richtig toll, aber ich staune darüber wie gut die Grafik auf den kleinen mobilen Geräten aussieht. Quasi für GTA3 hatte ich mir Ende 2002 einen neuen Rechner gekauft, denn auf dem Rechner davor lief das Spiel nicht nur so langsam das es eher einer Diashow gleich kam, sondern auch meine alte 3DFX-Karte produzierte mehr Grafikfehler als Spaß. Auf dem neuen Rechner hatte das dann richtig chic ausgesehen. Und heute spiele ich das selbe Spiel 10 Jahre Später quasi auf dem Handy mit 1:1-Grafik.

Teil 1 und 2 hatte ich nicht besonders gemocht. Die Spielidee und eben die „Offene-Welt“ hatte mich schon gereizt, aber die Draufsicht hatte mich doch sehr abgetornt. Aber dann kam ja GTA3. So ein „Wow“-Effekt hatte ich seit 1999 mit QUAKE 3 nicht mehr gehabt. Die Missionen waren alle recht nett und natürlich kam hier der übliche Effekt zum tragen „Das-muss-doch-zu-schaffen-sein“, doch habe ich die Missionen in GTA3 nie durchgespielt. Erst bei GTA:VC hatte ich es bis in die letzte Mission geschafft. Aber bei GTA 3 war es dann ziemlich schnell viel spannender gewesen durch Liberty City zu fahren oder zu laufen. Dann gab es auch von Anfang an eine große Mod-Szene. Von neuen Skins, über Massen an neuen Autos, zu neuen Mission, bis hin zu Total-Conversations. Wie gesagt, so richtig Fan wurde ich erst mit GTA:VC und dann SA. Da passte alles. Cooles Design, Music und Missionen. Die offene Welt war unglaublich. Die Möglichkeiten, selbst nach dem man (fast) alle Missionen durch hatte, schier unendlich.

Gerade an kalten, düsteren Wintertagen und -abenden gab es nichts besseres als sich nach Vice City zu begeben. Ein bisschen durch die Stadt cruisen. Gern auch mal mit dem Motorrad. Dabei durch die Sender schalten oder sich per MP3-Verzeichnis eigene Sachen anhören. Mal am Strand fahren und sich den Sonnenuntergang anschauen. Mit einem Helicopter rumfliegen oder mit einem Boot um die Stadt herumfahren. Auch und besonders in San Andreas war das dann natürlich auch möglich. Viel größeres Areal natürlich. Schöne Überlandfahrten. Besonders schönes Feature: Es muss ja nicht immer eine Waffe sein, die man im Spiel in der Hand halten musste/konnte, sondern in SA auch eine Photoapparat. Ganz wunderbar! Nicht immer nur ein Zielfernrohr der Snipergun, sondern auch mal ein Photosucher.

Zu GTA IV kann ich nicht so viel sagen. Das läuft auf meinen Rechner nicht so richtig. Vielleicht ist wie vor 10 Jahren und zu GTA III-Zeiten mal wieder ein neuer Rechner nötig um Liberty City wieder richtig besuchen zu können. Und GTA V steht auch schon in den Startlöchern!