20 Minuten am Tag müssen reichen

So ein bisschen Puls hatte ich nach dem lesen dieses Artikel beim Nuf. Ich hätte ja mal nicht gedacht, das es von solchen Eltern noch viele gibt. Die müssen doch unterdessen ausgestorben sein?! schon erwachsende Kinder haben, bei denen sie nicht mehr alles verbieten können, was es in den 60ziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch nicht gegeben hat!? Also irgendwie müssen doch die meisten Eltern von 10-Jährigen unter 50 Jahre alt sein und selbst mit Video- und Computerspielen aufgewachsen sein. Zu mindestens einen Game Boy besessen haben. Oder wurde ihnen das alles als Kind auch verboten, und nun wo sie selbst Eltern sind, muss das Kind genauso darunter leiden, wie sie selbst als sie Kind waren? Immer dieses verteufeln. Was der Bauer nicht kennt… Aber bei Computerspielen muss doch nun langsam mal Schluss sein. Ich weiß ja, früher wurde Fernsehen, davor Comics und wiederum davor Bücher verteufelt. Und irgendwann waren eben die bösen Computerspiele dran. Aber die Zeiten sollten doch nun langsam vorbei sein.

Am meisten musste ich lachen, das schon die Definition, was denn nun ein Computerspiel sein, bei solchen Leuten nicht klar! Ach, wenn ich auf dem Smartphone Candyfarmville spiele, dann ist das auch ein Computerspiel? OMFG!?! Wo sind diese Menschen bloß aufgewachsen? Hinter dem Ofen bei Oma, die noch den ersten Weltkrieg miterlebt hat? Das will mir nicht in den Kopf!!
Ich meine sie rennen alle mit ihren Smartphones rum. Man braucht ja bloß U-Bahn fahren und sich all die sogenannten Erwachsenen anschauen. Oder machen sie das nur heimlich? Ist das am Ende auch was Uii-Pfui? So wie YouPorn gucken?
Super fand ich dann mal wieder Patricias Argumentation! Ich wäre denen ja einfach mal an die Gurgel gegangen oder hätte sie zu mindestens mal kräftig geschüttelt, damit mal wieder alle Schrauben die da locker sind, an die richtige Stelle zurückfallen. Also ehrlich! 30 Minuten am Tag spielen? Aber eigentlich lieber nur 20? Die würde ich gerne mal als Kind gesehen haben! Also sagen wir mal, das sie keinen Game Boy und auch kein Interesse daran hatten. Und sie hätten nun gerade Hanni und Nanni geschmökert. Und Mami wäre gekommen und hätte ihnen nach 20 Minuten das Buch aus der Hand genommen und gesagt: „So jetzt aber genug für heute gelesen!“
Oder sie hätten gerade mit LEGO gespielt. Nach 20 Minuten hat man da ja gerade mal die Steine sortiert. „So genug LEGO für heute! Morgen wieder! Alles schön wegräumen!“

Selbstverständlich sollte ein Kind nicht den halben Tag lang spielen. Hat meine Tochter auch nie… oder selten… Und man kann auch mal ein Tag Computerspiele sein lassen und mit seinem Kind was unternehmen. Aber keine Ahnung haben, die Fresse aufreißen und seine Kinder quälen geht ja nun gar nicht. Nicht jeder muss nun deswegen zum Spieler werden. Aber man muss sich doch ein wenig informieren! Und gerade das Internet bietet dafür nun wirklich alle Möglichkeiten!
Meine Eltern hatten die Möglichkeiten die wir heute als Eltern haben nicht gehabt. Die haben sich eben so ein Telespiel mal angeguckt bzw. so eins einfach mal ausgeliehen und selbst ausprobiert. Erstaunlicherweise hat das Beiden Spaß gemacht. Trotzdem sind beide nicht zu Spielern geworden und haben bis heute keine Computer und Smartphones. Als es dann um die Anschaffung eines Atari (VCS bzw. 2600) ging, hat sich das mein Dad auch mal bei einen jüngeren Kollegen zeigen lassen. Dann ist er mit mir auch mal da hingefahren und wir haben zusammen gespielt. Und da das schon was ist, was Spaß macht, wurde eben auch mal so ein Gerät gekauft! Und mein Dad hat auch zusammen mit mir an den komischen Kasten gespielt. Ein Riesenspaß gemacht hat es ihm denke ich nicht. Das war einfach nicht seine Welt. Wenn spielen, dann lieber Karten oder Kegeln. Aber er hat es mit mir zusammen gespielt und konnte zu mindestens nachvollziehen, was denn da so dran ist. Und wie alles, wie eben auch z.B. Fernsehen, wurde das auch ein wenig zeitlich begrenzt. Aber nicht mit einem Zeitlimit am Tag. Ich habe auch mal nen halben Samstag am Atari gehangen. Und am Sonntag blieb das Ding mal aus. Dann waren wir in den Garten gefahren und haben am frühen Abend ne Runde Rommé vor „Raumschiff Enterprise“ gespielt. Ging alles und ich bin trotzdem nicht auf die schiefe Bahn geraten oder ein völliger Trottel geworden, bloß weil ich mal öfter den halben Tag als Kind gespielt habe.

The Divison, oder “wie ich doch mal mit einem RPG warm wurde”

Ich kaufe mir sehr selten mal auf gut Glück ein Vollpreispiel aus einem Genre, mit dem ich eigentlich nicht zurecht komme. Die Erfolgsquote dabei ist durchwachsen: Die größte Schlappe für mich war damals Stalker, das ich nach dem Verfassen meines Artikels nie wieder angeschaltet hatte. Der größte Erfolg war Watchdogs, das sich entgegen meiner ersten verhaltenen Freunde mit der Zeit noch als ein richtig gutes Spiel entpuppte (vor allem übrigens wegen des “unsympathischen” Protagonisten, vielleicht schreibe ich demnächst auch noch mal auf, wie ich darauf komme).

Jetzt hab ich wieder mal so ein Experiment gemacht, und zwar mit “The Division”. Ich bin kein “Teamshooter”-Spieler, ich wusste, dass das RPG-System dem von Stalker sehr ähnlich ist, ich stehe nicht besonders auf Crafting und ich mag lieber Scifi als (militaristische) Realität. Dennoch hat mich zum einen die Backgroundstory und zum anderen das, was ich von der sehr gelungenen Atmosphäre gesehen habe genug interessiert, um mich trotzdem dafür zu entscheiden.

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Ich wurde tatsächlich nicht enttäuscht: The Division macht viel richtig, was Stalker falsch gemacht hat, der RPG-Kram funktioniert gut und behindert das Spiel nicht, das Setting ist am Ende mehr Scifi als Realität und vor allem hat sich meine Hoffnung auf eine coole Atmosphäre bewahrheitet (ich sags immer wieder: Atmosphäre ist für mich die wichtigste motivierende Eigenschaft eines Spiels).

Klar, es wäre mir lieber gewesen, wenn The Division das Balancing aus RPG und echtem Shooter-Handling mehr zu Gunsten des Shooters ausgerichtet hätte, so wie es Borderlands perfekt getan hat – so passiert eben leider nicht viel, wenn man einen Kopfschuss landet und der Gegner dennoch bloß stur seine Hitpoints runterrechnet. Aber daran kann man sich gewöhnen.

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Klar, es wäre mir lieber gewesen, kein starres Levelsystem zu haben, das mich wie üblich für MMRPGs davon abhält, mit den Freunden zu spielen, mit denen ich eigentlich gerne spielen will, weil wir natürlich ständig zu weit voneinander weggelevelt sind. Aber ich glaube, dass hier noch nachgeregelt wird, immerhin haben viele andere MMO-Shooter gut funktionierende Techniken entwickelt, Missionen für Teams auszubalancieren, indem sie die Spieler- und Gegnerlevels für die Dauer der Mission aneinander angleichen.

Klar, ich hätte auch gerne einen guten Character-Editor gehabt und die 5 Gesichter, drei Hautfarben und 4 Frisuren lassen alle Spieler ziemlich gleich aussehen. Ich hoffe, es kommt auch da noch was nach.

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Aber insgesamt macht das Spiel für mich viel mehr richtig als andere “Open World” Games. Allem voran witzigerweise wegen eines Themas, das momentan von Gamern massiv kritisiert wird: Es gibt dort nämlich nicht diese zigtausend immer gleichen Miniquests und Collectables, die mich z.B bei GTA5 oder auch Watchdogs (bzw generell bei Ubisoft-Spielen) sofort demotivieren, weil ich erstens überhaupt keine Lust auf sinnloses Grinding habe oder 250 Irgendwasse einsammeln will, und zweitens nie das Feedback bekomme, dass ich irgendeinen Fortschritt mache, weil die mit Grindquests zugemüllte Map immer gleich voll aussieht.

Bei The Division haben alle Quests einen Sinn für die Handlung, sind auch nach dreißig Spielstunden nicht langweilig und interessant und zuweilen überraschend aufgebaut und man bekommt ein gutes Gefühl, wenn man mal eine kurze Spielsession einlegt, nur zwei Encounter-Missionen spielt und dennoch sieht, dass sich auf der Karte was getan hat.

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Für Leute wie mich, die Loot-Hunting, Farming und Grinding todlangweilig finden, ist The Division daher großartig. Für Leute, die sowas mögen, nicht. Es ist, als hätte jemand gesagt “Hey, lass uns doch mal was für diese Sorte Spieler machen, die Atmosphäre und Story mögen und nicht immer nur für die Fließband-Gamer.”

Denn genau das haben sie getan: Das Spiel hat derart viel Atmosphäre (die Fließband-Gamer natürlich verpassen, wenn sie einfach nur durchrushen um so schnell wie möglich aufzuleveln): Die Umgebung ist so detailliert ausgestattet. Man läuft durch Straßenzüge, in denen der Müll nicht abgeholt wurde, Papier flattert durch die Gegend, Autos in verschiedenen Stadien des Verfalls stehen herum, man klettert über verlassene Straßensperren und zerrissene Quarantänezelte, die einem zeigen, was hier vorher passiert ist als man noch versuchte, der Lage Herr zu werden. Das Prinzip “show, don’t tell” wird vorbildlich gespielt – man muss nur genau hinschauen.

Und so minimal der Charaktereditor ist, so gut ist dann aber die Immersion und Identifikation mit ihm: Wenn es schneit, bleibt der Schnee auf der Mütze und den Schultern liegen, die Menge der unterschiedlichen Kleidung (die für Spielwerte überhaupt keine Rolle spielt) ist riesig und ich spreche hier nicht nur von zwei Jackentypen mit zig Texturen: Es gibt Winterjacken, Anzugjacken, Daunenjacken, Militärjacken, Ledejacken… und dasselbe geht mit Mützen, Hosen, Oberteilen, Schuhen. Es macht mir so viel Spaß, meiner Spielfigur wie einer Barbiepuppe ständig was anderes anzuziehen.

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Die Story ist auch interessanter als ich dachte: Natürlich geht es erst mal gegen irgendwelche kriminellen Gangs, die die Anarchie in den Straßen ausnutzen und die sind auch die klischeehaften, sehr oft schwarzen Hoodie-Jungs. Aber dann stolpert man über die Cleaner, die wesentlich fieser und gruseliger sind: Ziemlich rechte Fanatiker, die glauben, sie müssten alle Überlebenden, die auch nur den Anschein geben, kontaminiert zu sein, mit ihren Flammenwerfern verbrennen. Die sind dann wirklich böse. Außerdem scheint auch die Division nicht ganz sauber zu sein, denn man ist Teil der zweiten Gruppe Agenten, die in das Krisengebiet geschickt werden und findet beunruhigende Details über die Vorgänger heraus. So wie Tom Clancy’s Militärromane gar nicht so glorifizierend sind wie man glaubt, scheint es auch hier so zu sein, dass man an eine Stelle kommen wird, in der man seine eigene Rolle noch mal hinterfragen muss.

Zuletzt noch ein Punkt, in dem ich seltsamerweise genau das Gegenteil behaupte, als viele andere Rezensionen: The Division lässt sich ganz wunderbar solo spielen. Ich habe bis Level 10 gerade mal bei zwei Missionen andere Spieler dabei gehabt. Das ist auch ganz ok, aber wenn die die Mission schon kennen, nimmt man sich eine Menge Überraschung und man kann auch nicht – wie ich es gerne mache – sehr langsam und bedächtig durch die Gebäude schleichen, weil immer einer vorneweg rennt.

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Nicht falsch verstehen: Es macht schon Spaß, Coop zu spielen. Aber ich spiele die Story-Missionen tatsächlich lieber das erste Mal alleine. Danach machen sie mit anderen auch Spaß (man kann die Hauptmissionen wiederholen). Die Nebenmissionen und Encounters kann man gut sofort mit anderen spielen, denke ich. Aber auch die sind auch solo kein Problem. Ich finde das daher ausgesprochen super, dass The Division mir nicht aufzwingt, mit anderen zu spielen.

Soviel also dazu. Interessant: Wieder habe ich ein Spiel, bei dem mir vor allem genau das gefällt, was andere daran doof finden. Vielleicht ist es deswegen so schwer, Spiele zu finden die “wie für mich gemacht” sind. Es sind eben nicht die Spiele, die der Durchschnittsgamer mag.

Eil: Hölle zugefroren

Hab ich mal gesagt, ich werde mit Militär-Shootern nicht warm? Stimmt.

Hab ich auch gesagt, ich werde mit Multiplayer-Shootern nicht warm? Stimmt auch.

Warum hab ich mir dann Battlefield 4 gekauft? Ehrlich gesagt: Keine Ahnung. VIelleicht, weil ich eben auch mal selbst herausfinden will, was man an diesem Spiel so toll finden kann. Das Problem nun ist nur: Ich kenne niemanden, der das Thema mit mir völligem Newbie mal angeht. Meine Freundesliste ist leer, ich hab keine Ahnung, wie ich anfangen kann und irgendwie fühle ich mich schon beim Startbildschirm des Battlelog völlig überfordert.

Denkt da eigentlich jemand an neue Spieler und wie die sich da reinfinden sollen? Ich hab zwar mal mit der “Kampagne” angefangen, um überhaupt mal ein wenig Routine in das generelle Handling zu bekommen, aber ein System, mit dem man Anfängern die ersten Schritte im Multiplayer-Part erleichtert wäre mir lieber.

Vielleicht ist das auch zu viel verlangt, nach gut zehn Jahren Battlefield, drei Hauptspielen, vier Ablegern, zig Erweiterungen…

Naja, mal sehen. Vielleicht schau ich mir das nächstes Wochenende mal genauer an. Bis dahin hab ich den Solo-Part wohl durch. Bisher war der in “Normal” nicht so schwer, dass ich sonderlich ins Schwitzen kam. So lange sieht das dann wohl bei mir noch ein Weilchen so aus:

noob

Klassisches Ballerspiel – Teil 1: Rumlaufshooter

(Artikel von Jens)

Es gab ja lange den Genre-Begriff des “Shooters”. Generell fasste der Spiele zusammen, deren Anleitung eine Variation von “Du bist die letzte Hoffnung der Menschheit und stehst alleine (bzw. optional mit der Anzahl möglicher Co-Player) gegen eine übermächtige Anzahl Aliens/Zombies/Monster/Dämonen. Schieß auf alles, was sich bewegt. Schieß auch auf alles, was sich nicht bewegt.”

Im Prinzip war der “Shooter”, auf Deutsch das “Ballerspiel”, von Anfang an dabei: Space Invaders dürfte so der erste gewesen sein, den ich Ende der Siebziger live miterlebte.

Letztlich dauerte es natürlich nicht lang, bis sich ein paar Untergruppen entwickelten. Eine war die, mit einer bewaffneten Person über ein feindverseuchtes Areal zu laufen und dort ordentlich aufzuräumen. Robotron ist wohl der “Erfinder” des Genres. Ich denke aber, Commando dürfte damals für den breiten Durchbruch dieses Spielprinzips gesorgt haben. Ich selbst habe recht intensiv Ikari Warriors gespielt, vor allem zusammen mit meinem Bruder: denn Ikari hatte Commando um eine geniale und motivierende Neuerung erweitert: Man kommte gleichzeitig mit mehreren Personen spielen. Letztendlich war die Spielmechanik des Rumlaufshooters damit perfektioniert, alle weiteren Veränderungen waren nur Details: Natürlich immer bessere Grafik, die Erweiterung des Spielfeldes in alle Richtungen, einfache Rätsel wie Schlüssel und Schalter, Timelimits. Es gab immer wieder herrausragende Genre-Klassiker wie Crack Down oder Alien Syndrome.

Das Genre ist Ende der Neunziger eigentlich offiziell von den 3D-Shootern abgelöst worden, es wird jedoch immer wieder mal auch die klassische Von-oben-Version programmiert. Solche Spiele sehen dann zum Beispiel so aus wie hier: